Berlin Schreiber von Drehbüchern bleiben meistens unbekannt, Wolfgang Kohlhaase ist so einer. Selten treten sie aus der Anonymität heraus, etwa wenn ein Film von ihnen mit einem Preis bedacht wird. Für Kohlhaases "Solo Sunny" gab es den Goldenen Bären auf der Berlinale 1981, den Film über die kesse Rocksängerin vom Prenzlauer Berg.

Die Kohlhaases haben eine Wohnung in Berlin-Mitte, lieber aber ist das Ehepaar draußen in seinem kleinen Haus in Reichenwalde, nicht weit vom Scharmützelsee, keine zwei Autostunden von Berlin entfernt. Ums Haus herum begrüßen den Besucher Blumen, in Töpfen, in Kübeln, in Beeten - gezogen von Emöke Pöstenyi, der Ehefrau, einer Tänzerin aus Ungarn. Mit achtzehn Jahren kam sie in die DDR und begann ihre Karriere in Meiningen. Später tanzte sie als Solistin im Fernsehballett, arbeitete als Choreographin, wurde dessen Chefin und ist es bis heute.

Aber ich bin mit ihrem Mann verabredet. Wir laufen die Dorfstraße entlang.

Die einzelnen Gehöfte sind weit voneinander entfernt, wie zufällig hingeworfen, dazwischen Wiesen, Felder. "Hier haben immer arme Leute gewohnt.

Das Land gab nicht genug her, sie gingen immer noch irgendwo arbeiten. Auch nach 45 in der LPG wurden sie nicht reich, waren aber ganz zufrieden, hatten ihren Achtstundentag." Er war 1967 hier der erste Städter. "Für jeden, der unter 35 ist, bin ich schon immer hier. Für die Alten bleibe ich ein Fremder."

Der Weg geht etwas hügelab, zum Großen Kolpiner See, er ist von Wald umgeben, Kiefern, Eichen, Robinien. Vögel singen. Sonst ist es still. "Selbst am Wochenende sieht man kaum jemanden", stellt Kohlhaase zufrieden fest.

Ich bin immer wieder neugierig, wie Menschen aufgewachsen sind. Und so frage ich auch Wolfgang Kohlhaase, zweifle aber nach einer Weile, ob es klug war.