L-O-V-E auf den Fingern der rechten Hand, H-A-T-E auf der linken - selbst wer den Film nie gesehen hat, kennt die Zeichen aus der Nacht des Jägers. Ein unerträglich beklemmender Film, ein Märchen vom Kampf zwischen Gut und Böse, ein poetischer Alptraum mit unschuldigen Kindern und Tieren der Nacht. Es sollte die einzige Regiearbeit von Charles Laughton bleiben, jener geniale Findling von 1955, der Robert Mitchum in den unsterblichen Prediger und Witwenmörder verwandelte. Im selben Jahr sprach der Schauspieler Charles Laughton die Geschichte seines Filmes "The Night Of The Hunter", erzählte er von der Flucht der beiden Kinder vor dem Prediger, der ihr Geheimnis jagt: den Ort, an dem die Beute eines Raubüberfalls versteckt ist. Die damals übliche Hörspielfassung des Films - Pendant zur derzeit obligatorischen Soundtrackmanie - wurde in diesem Fall durch die allmächtige Stimme Laughtons ersetzt, jenen süßen Lockruf, dem man wie eine Ratte folgt, bis man ... zum glücklichen Ende kommt, auf das für immer der Schatten der düsteren Erinnerung fällt.

Eine weise Entscheidung für Laughton, lebt "Die Nacht des Jägers" doch mehr aus der Sprache des Stummfilms, jener Bilder des lyrischen Schreckens, wo das Haar der toten Mutter im Wasser wie Seegras schwingt, wo der Prediger, von der Straßenlaterne beschienen, wie der bleiche Tod wartet, wo die Kinder im Ruderboot auf dem Fluß treiben, von archaischen Tiergestalten begleitet. Nur die Musik von Walter Schumann schiebt sich zwischen die Stimme, die Kinder- und Schlaflieder von Shelley Winters und Lillian Gish und jenen besänftigenden Hymnus des Predigers, der zum vertrauten Leitmotiv des Bösen wird: "Leaning, leaning, safe and secure from all alarms ..."

Ein üppiges Textheft mit Bildern aus dem Film liegt der Edition bei (Bear Family Records 16263 Tel. 04794/93000), ein visueller Genuß, der auch "Tall Dark Stranger" von Robert Mitchum in Form einer vollständigen Filmographie begleitet (Bear Family Records 16223). "Manchmal scheint er tatsächlich zu schlafen, dabei geht sein Blick nach innen, wo er als einsamer Jäger die Wüste seiner Seele durchstreift", schrieb Michael Althen zu Mitchums Tod vor einem Jahr am 1. Juli. Die latente Gewalt und Erotik, die er verkörperte und die meist in einem trägen Achselzucken endete, durfte sich selten nach außen kehren. Er war der Verlierer und Fremde, dessen Stimme so tief wie beiläufig war. Seine Songs zu dem Western-Märchen "Rachel And The Stranger" von 1947 finden sich am Anfang der CD. Auch so ein Grund, nachts wach zu bleiben und auf diesen Film zu warten.