Traurig, sehr traurig: Wer gedacht hatte, Kreuz und Denkmal seien Orte, an denen die Scham wachgehalten werden und der Schmerz zur Ruhe kommen könnte, wer also meinte, sie seien ein Symbol der Hoffnung auf Frieden und Versöhnung, der sieht sich arg getäuscht.

In Polen tobt im Umfeld von Auschwitz ein erbitterter Kampf zwischen Juden und christlichen Polen um die Aufstellung von Kreuzen - der Ort, dem sakraler Charakter zugedacht war, ist zum Schlachtfeld böser Auseinandersetzungen geworden. Auch in Berlin wird seit zehn Jahren um den Entwurf eines Holocaust-Denkmals für die Juden Europas gestritten. Die Motive des Streits sind zwar andere, aber auch hier kommen alte Ressentiments wieder zum Vorschein.

In Polen geht es nicht um Trauer und Aussöhnung, sondern um Egoismus, um Neid und Selbstgerechtigkeit. In Auschwitz, dem größten Vernichtungslager der Nazis, sind eine Million Juden umgebracht worden und etwa 100 000 nichtjüdische Polen. Vor dem Lager, auf dem sogenannten Kiesplatz, wurden als erste Opfer von Auschwitz 152 christliche Polen von den deutschen Besatzern erschossen.

Zu ihrem Gedenken haben radikal-nationalistische, antisemitische Katholiken etliche Holzkreuze errichtet

auf diese Kreuze haben wiederum internationale jüdische Organisationen von New York bis Tel Aviv ihre Proteste gerichtet.

Das erste, acht Meter hohe Kreuz, das dort aufgestellt wurde, stammt von dem Platz, auf dem 1979 Papst Johannes Paul II. gepredigt hatte

daneben ist in letzter Zeit ein Wald von kleinen Kreuzen entstanden, gegen die sich ebenfalls der Zorn richtet.