Sei Bauherr, Staat!

Der Bund muß wieder Bauherr werden. Er gibt zwar ziemlich viel Geld aus fürs Planen und Bauen, 1998 sind es über fünfzehn Milliarden Mark. Nur leider verwaltet er diese Fördermittel eher, als daß er sie fordernd einsetzt.

Vornehmlich geht es ihm um Wohneinheiten und Quadratmeter - wen interessiert schon Architektur? Dabei ist ein neues Nachdenken über die Formen unseres öffentlichen und privaten Lebens längst überfällig. Wollen wir wieder Wohnen und Arbeiten unter einem Dach, und wie könnte das aussehen? Wie sollten wir unsere Städte umbauen, damit wir uns wieder in ihnen wohl fühlen? Was muß getan werden, damit unsere Landschaft nicht weiter zersiedelt wird? Das sind Fragen, denen sich der Bund wieder stellen muß - und die er weiterreichen sollte an die Investoren, denen er sein Geld gibt. Viel öfter als bisher müssen öffentliche Aufträge auch öffentlich ausgeschrieben werden, viel häufiger sollte ein Wettbewerb über den besten Entwurf entscheiden. Der Staat muß die Stadt wieder als ein Politikfeld entdecken, muß die über viele Ressorts verstreuten Gelder stärker als bisher bündeln, statt das Bundesbauministerium, wie offenbar geplant, aufzulösen. Foren wie das Deutsche Architektur Zentrum in Berlin müssen vom Bund finanziell unterstützt werden, um eine breite Diskussion über die Zukunft unserer gebauten Umwelt neu zu entfachen. Die Niederlande tun das längst mit dem NAI in Rotterdam, die Architekten dort zählen zu den experimentierfreudigsten weltweit. Auch Bautheorie und Bauforschung, an vielen Fakultäten vernachlässigt, könnten so gestärkt werden. Nur wenn sich die Architektur wieder mit den Geistes- und Naturwissenschaften verflicht, wenn sie sich als politische Kraft zurückmeldet, wird sie auch weltweit wieder wahrgenommen. Im Moment interessiert sich kaum jemand für die deutsche Baukunst, weder ausländische Investoren noch internationale Fachmagazine. Das könnte sich ändern, das muß sich ändern - wenn der Bund sich ändert und wieder zum Bauherrn wird.

H. R.

Hilf stiften, Bund!

Dies müßte die Stunde des Gaius Clinius Maecenas sein. Vom Sponsor des Vergil und Horaz lebt noch der Name. Auch sein Geist? Hoffen wir's. Dieses Land braucht das großzügige Engagement seiner Bürger, denn die öffentlichen Hände sind leer. Die Ebbe in den staatlichen Kassen trifft zunehmend Kunst und Kultur. Von wegen Brot und Spiele. Wenn Kämmerer zwischen sozialer Fürsorge oder kultureller Förderung entscheiden, ist ihr Verdikt absehbar. Arme Kunst!

Es müssen also Mäzene her. Und die Gelegenheit ist günstig. Sogar der Bundestag hat sich des Themas angenommen. In seiner kulturpolitischen Debatte vergangenen Februar kreißte er die ganz große Koalition. Alle wollen das Stiften erleichtern, zumal für kulturelle Zwecke. Kann jetzt noch etwas schiefgehen?