Sie hatte einen der Traumjobs im ZDF: beste Sendezeit, wichtigste Sendung, schönster Auftritt. "heute"-Redakteurin Katrin Müller, 34, konnte sich wirklich nicht beklagen. Trotzdem verabschiedete sie sich an einem Freitag Mitte August unversehens von uns Zuschauern. "Und nun sag' ich tschüs", sagte sie. Und war weg.

Der Öffentlichkeitsarbeit des ZDF verdanken wir einige Informationen über ihre Nachfolgerin Petra Gerster, 43. Zum Beispiel, daß sie bisher das Frauenmagazin "Mona Lisa" moderierte. Petra Gerster selbst steuerte bei, daß sie sich weiter um Frauenthemen kümmern wolle und daß auch Berichte über Kinderpornographie kein Tabu sein dürften. Das neue Design des "heute"-Studios schließlich können wir jeden Abend selbst besichtigen und rätseln, ob die Sendung nicht doch auf einem fremden Planeten aufgezeichnet wird.

Aber was ist mit Katrin Müller? "Auf eigenen Wunsch" übernehme sie andere Aufgaben, ließ der Sender wissen. Solche Formulierungen sind selten freundlich gemeint. Mußte die beliebteste Frau des "heute"-Teams und dort die einzige Moderatorin aus dem Osten etwa gehen, weil sie sich nicht genug um Frauenbelange gekümmert hatte? Oder war die alleinerziehende Mutter, wie die taz mutmaßte, im Gegenteil zu tough für ihre Sendung geworden - besonders, nachdem sie sich diese entschlossene Kurzhaarfrisur zugelegt hatte?

In der ZDF-Kantine, sagt Katrin Müller, müsse sie sich im Moment heftiger Mitleidsbekundungen erwehren: Man frage besorgt nach ihrem Befinden. Das sei zwar nett, aber ganz unnötig.

Nein, im Zusammenhang mit Katrin Müller sollte man wohl tatsächlich das für den Fernsehkosmos Undenkbare denken: Wo alle auf den Bildschirm streben, strebte die engagierte Redakteurin nach mehr journalistischer Freiheit. Im Herbst übernimmt sie die Leitung eines täglichen Verbrauchermagazins, mit dem das ZDF Marktanteile am Vormittag zurückzugewinnen hofft. Das Konzept der Sendung entwickelt sie selbst, künftig ist sie in Mainz eine von wenigen Redaktionsleiterinnen. Also: Beförderung.

Aber für uns, die wir vormittags so selten fernsehen, doch irgendwie schade.