Da mag manchem der jungen deutschen Rekruten auf den Schanzen von Eckernförde der Atem gestockt und das Herz gebibbert haben, als sie am Morgen des Gründonnerstag 1849 bedrohlich nahe die dänische Invasionsflotte erblickten. Vorneweg die modernsten Kriegsschiffe der königlichen Marine: das Linienschiff Christian VIII. mit seinen 84 Kanonen und die nagelneue Fregatte Gefion mit 48 Kanonen, im Gefolge eine Korvette, zwei Raddampfer und ein paar Yachten. Der Auftrag war klar: Die schleswig-holsteinischen Batterien auf der Norder- und der Süderschanze mußten zerstört werden, danach sollten 250 Mann Infanterie an Land gehen und die Hafenstadt erobern. Doch der Batteriechef, Hauptmann Eduard Jungmann, stand furchtlos auf der Brustwehr, als die ersten Kartätschen einschlugen, und gab "Feuer frei". Mit "Hurra!" gingen seine Leute ans Werk. Zehn deutsche Geschütze gegen 132 dänische! Aber ihre Salven trafen nur zu gut. Mittags strebten die angeschlagenen Schiffe schon aus der Bucht hinaus. Starker Ostwind hinderte die beiden Großsegler am Kreuzen. Gegen Abend - inzwischen hatten noch ein paar nassauische Geschütze in das Gefecht eingegriffen - mußte die Gefion den Danebrog senken, bald darauf auch das brennende Linienschiff die Flagge streichen. Noch war die Mannschaft nicht ganz ausgeschifft, da flog Christian VIII. mit gewaltigem Getöse in die Luft. 105 Dänen fanden den Tod, 900 gingen in Gefangenschaft.

Schlimmer konnte die zweite Kriegsphase für die Dänen nicht beginnen: der Stolz ihrer Flotte vernichtet, nicht auf hoher See, sondern durch banale Küstenbatterien. An diesem 5. April 1849, zehn Tage nach der Kündigung des siebenmonatigen Waffenstillstandes, war die Hoffnung des dänischen Oberkommandos zerschellt, im Handumdrehen das Herzogtum Schleswig zurückzuerobern und den Bürgerkrieg im Königreich zu beenden, ehe die deutschen Bundestruppen losmarschierten.

Für die Deutschen war's ein großer Sieg. Extrablätter trugen die Kunde in alle Bundesstaaten. Sie beflügelte die Phantasie der linken Demokraten in einem Moment, da in Österreich und Preußen die Reaktion gesiegt hatte, der Preußenkönig die ihm vom Volke angebotene Kaiserkrone verschmähte und das Parlament in der Paulskirche auseinanderzulaufen begann. Gefreut haben wird sich auch der Reichsverweser Erzherzog Johann, als ihm seine Statthalter in Schleswig-Holstein die geborgene Kriegsflagge der Christian VIII. übergaben.

Die Schmach des Eilrückzugs der deutschen Truppen aus Dänemark im vorigen Herbst schien getilgt. Schleswig-Holstein - die letzte Hoffnung der nationalen Revolution?

Jahrhundertelang hatten Dänen und Deutsche in Schleswig friedlich nebeneinander gelebt. Ihr Vaterland war das ganze Dänemark, verkörpert im patriarchalischen Regiment des Königs, der seit 1815 als Herzog in Holstein zugleich deutscher Bundesfürst war. Mit der französischen Revolution und im Gefolge der napoleonischen Kriege aber wurden die Völker Europas von einer langwierigen Krankheit heimgesucht, die man Nationalismus nennt.

Der Kieler Historiker und Staatsrechtler Friedrich Christoph Dahlmann forderte bereits 1815 neben einer Verfassung auch die staatliche Einheit für alle Deutschen: "Deutschland ist da durch sein Volk, das sich mit jedem Tage mehr verbrüdert." Das dänische Volk übersah der Untertan des dänischen Königs großzügig. Dahlmann war es auch, der, in alten Akten stöbernd, das Ripener Privileg von anno 1460 wieder ins Bewußtsein holte, wonach Schleswig und Holstein "bliven ewich tosamende ungedelt". Dieser Satz wurde alsbald zum Schlagwort im Nationalitätenkampf.

Im Jahre 1830 machte dann Uwe Jens Lornsen, der Landvogt von Sylt - in Keitum kann man noch sein Denkmal bewundern - Furore mit der Flugschrift "Über das Verfassungswerk in Schleswigholstein", die er in 9000 Exemplaren verbreiten ließ, ehe die Zensur zugreifen konnte. Ihm schwebte eine Personalunion des autonom verwalteten Landes mit dem Königreich vor, wobei nur noch Außenpolitik und Militär gemeinsam bleiben sollten. Lornsen brachte das Pamphlet ein Jahr Festungshaft ein danach verließ er verbittert seine Heimat. Doch schon 1831 reformierte der König die Verwaltung und gestand den Herzogtümern Schleswig und Holstein getrennte Ständeversammlungen zu, die allerdings nur beraten durften.