Erschütternde Szenen werden sich abspielen: Kinder werden weinend vor dem Kaugummiautomaten stehen, Liebende ratlos den Kondomautomaten anstarren, Raucher verzweifelt auf Zigarettenautomaten trommeln. Das alles wird vergebens sein. Die alten Kisten schlucken das neue Geld nicht. Euro und Eurocent sind da, doch die Automaten bleiben Mark- und Groschengräber.

Schrecklicher als diese herzzerreißende Vorstellung ist nur noch die Horrorvision von einer Branche, die über Wochen keine Umsätze macht. Wenn am 1. Januar 2002 die Mark futsch und der Euro gültig ist, sieht nämlich eine Branche ganz besonders alt aus: die Automatenwirtschaft.

Ihr steht eine gigantische Umrüstung bevor: Jeder Automat, der Münzen oder Scheine schluckt und sie von falschen Münzen und falschen Scheinen unterscheiden soll, braucht neue Schlitze und Röhren, neue Rückgeldreservoirs und oft auch neue Münzprüfer, zumindest müssen die Prüfgeräte neu programmiert werden.

Nach Angaben des Verbandes der Automatenunternehmer wird das zwischen 100 und 2000 Mark pro Automat kosten. Insgesamt sollen allein die Materialkosten für die Umrüstung bei sieben Milliarden Euro liegen. Dazu kommen die Umsatzverluste der Wochen, in denen die Kunden vergeblich versuchen, das neue Geld in die Schlitze zu pressen.

Während sich der Umstellungsaufwand bei Kaugummiautomaten in Grenzen hält, erwischt es andere schlimmer, besonders hart die Spielautomaten. Die meisten Geräte brauchen neue Front- und Drehscheiben, da auf ihnen Gewinnpläne oder Geldbeträge angegeben sind. Der Spaß wird teuer.

Auch die Parkhausbetreiber sehen Grund zur Klage. Der Bundesverband der Park- und Garagenhäuser e. V. fürchtet - zusätzlich zu allem Ärger über steigende Beleuchtungskosten, klemmende Schranken, die leidige Fremdwährungsfrage und die Diskussion über Frauenparkplätze -, in der Zeit der Automatenumstellung wieder mit der überwunden geglaubten Handkasse kassieren zu müssen. Eine Zumutung, vergleichbar der Aufforderung an einen S-Klasse-Fahrer, sein Auto mit der Handkurbel zu starten.

Was die Automatenaufsteller am meisten erbost, ist die erwartete schlagartige Einführung des Euro, der Big Bang. Bislang sieht es nämlich so aus, als sollten in der Silvesternacht auf den 1. Januar 2002 nicht nur Chinaböller knallen. Danach wäre schon am Neujahrsmorgen die Mark nicht mehr gesetzliches Zahlungsmittel. Natürlich ist es völlig ausgeschlossen, daß ebenso schlagartig alle 2,8 Millionen deutschen Münz- und Geldautomaten umgestellt sind. Das dauert Wochen, wenn nicht Monate. Zumal da die Hersteller von Automaten und Münzprüfern über Form und Zusammensetzung der neuen Münzen bis heute nichts Endgültiges wissen.