Nicht Konto-, sondern Imagepflege - aus dem wahren Ziel des amerikanischen Börsengangs von SAP Anfang August machten selbst die Oberen des größten deutschen Softwarekonzerns kein Hehl. Um richtig Eindruck zu schinden, zog das Unternehmen vor dem New York Stock Exchange denn auch eine große Supershow ab: Es lud Börsianer zu einem Volleyballturnier in einem riesigen Sandkasten ein und ließ die bekannte Rockgruppe Kool and the Gang aufspielen.

Um so mehr müssen sich die SAP-Öffentlichkeitsarbeiter geärgert haben, als das Unternehmen jetzt negative Schlagzeilen machte: Mittwoch vergangener Woche reichte nämlich der Konkursverwalter der bankrotten amerikanischen Pharmahandelsfirma FoxMeyer Drug Klage gegen den US-Ableger von SAP ein und verlangte 500 Millionen Dollar Schadenersatz. Das SAP-Softwarepaket R/3 sei ein "bedeutender Faktor" dafür gewesen, daß das Unternehmen im August 1996 pleite ging.

Über 65 Millionen Dollar hatte FoxMeyer ausgegeben, um den modernsten Arzneimittelvertrieb der Welt aufzubauen. Doch das installierte Computersystem schaffte es nicht, mehr als 10000 Bestellungen von Apotheken pro Nacht abzuwickeln. Die alte Anlage erledigte 420000 Orders. SAP habe zunächst "grob fahrlässig" behauptet, seine Software werde mit dem Volumen fertig - und dann entgegen Versprechen das Problem nicht gelöst, heißt es in der Klageschrift. "SAP behandelte FoxMeyer weiterhin als Versuchskaninchen und nutzte das Projekt, um die Kapazitätsprobleme von R/3 abzuschätzen."

SAP weist die Vorwürfe weit von sich. "Die Klage ist ohne Grundlage und verträgt sich nicht mit den Fakten", erklärte Eric Rubino, oberster Anwalt von SAP America, "unser Unternehmen hat den Vertrag voll erfüllt und wird sich mit allen Mitteln gegen die Anschuldigungen verteidigen."

Aber unabhängig davon, ob SAP für den Bankrott mitverantwortlich war - der Fall zeigt, daß falsche Informationstechnologie einem Unternehmen übel zusetzen kann. In den Vereinigten Staaten überlegen es sich deshalb immer mehr Firmen zweimal, ob sie wirklich ein neues Computersystem brauchen - und versuchen ein besseres Gleichgewicht zwischen Menschen und Maschinen zu finden. De-automation oder de-engineering nennt sich der Trend.

Wenn FoxMeyer mit der Klage Erfolg hat, dann könnte das Nachahmer auf den Plan rufen. Denn die Installation der deutsch-gründlichen SAP-Software ist gerade bei amerikanischen Unternehmen oft ein Alptraum. Diese nahmen es lange mit dem Geschäftsablauf nicht so genau. Ein "Schmerzprogramm" sei das Programm aus Walldorf, schrieb einmal das Wirtschaftsblatt Wall Street Journal.

Die SAP-Chefs werden sich von der Klage jedoch kaum ihre nächste große Show vermiesen lassen: Mitte September treffen sie sich mit mehr als 15000 Kunden, Beratern und Anlegern zur "Sapphire"-Konferenz in Los Angeles. Auch diesmal lädt SAP wieder zur Rockparty. Das Motto: "The best of the best".