Sie bauen Filter für Abgase und Abwässer, planen Lärmschutzwände, beraten Behörden oder Firmen in Naturschutzfragen, arbeiten als Gärtner oder Förster. Mehr als eine Million Menschen sind heute in Deutschland im Umweltschutz beschäftigt, verkündet stolz das Bundesumweltministerium. Der Umweltschutz schafft Arbeitsplätze. Und nicht nur das: Dieser Sektor gilt der Bundesregierung gar als besonders "zukunftssicher". Vorbei sind die Zeiten, in denen die Ökoverbände heftig gerügt wurden, daß sich ihre Forderungen negativ auf den Arbeitsmarkt auswirkten. Aus dem "Jobkiller" Umweltschutz ist längst ein "Jobbringer" geworden.

Doch die Umwelttechnik, die die Deutschen heute weltweit verkaufen, wird morgen schon überholt sein. Und neue Technologien wie die Solartechnik werden zuwenig gefördert. Der Umweltschutz kann den Arbeitsmarkt zwar ankurbeln, das ist inzwischen unbestritten. Allerdings entstehen "grüne" Jobs nicht von allein. Nicht nur Staat und Unternehmen müssen sich jetzt etwas einfallen lassen, sondern auch die Hochschulen. Denn deren Studienangebote gehen am Bedarf vorbei.

Die Stadt Heidelberg gehört zu den Vorreitern beim Klimaschutz. Wohnung für Wohnung sollen die Altbauten eine bessere Wärmedämmung bekommen. Die Stadt fördert den Wärmeschutz, Wohnungsbesitzer und Mieter profitieren langfristig davon, weil ihre Heizkosten geringer werden. Architekten, Handwerker und Bauindustrie freuen sich über Aufträge. Vierhundert bis fünfhundert neue Arbeitsplätze sollen dadurch in Heidelberg entstehen.

Die niederbayerische 1000-Seelen-Gemeinde Schalkam setzt auf Solarwärme. Sie kauft Sonnenkollektoren gleich im Dutzend ein und gibt den Preisvorteil an Hausbesitzer weiter. Außerdem gibt es einen Zuschuß. In Schalkam ist 1998 bereits ein Quadratmeter Sonnenkollektor pro Einwohner installiert - das ist das Hundertfache des deutschen und das Zehnfache des österreichischen Durchschnitts. Es entstand ein Handwerksbetrieb mit drei Arbeitsplätzen. Arbeitsplätze bei Anlagenlieferanten und Zulieferern kommen, wie im Heidelberger Fall auch, noch dazu.

In Deutschland setzt man zu sehr auf überholte Technik

Die Stadtwerke Unna setzen auf Beratung und auf erneuerbare Energien. Der Stadt wurde ein "Energiemanagement" angeboten. Heute verbrauchen die kommunalen Gebäude deutlich weniger Heizenergie und Strom. Für Privathaushalte gibt es eine umfassende Energiesparberatung. Ihren Strom beziehen die Stadtwerke bereits zu einem Fünftel aus vier Blockheizkraftwerken, zwei Windkraftanlagen und einer Wasserkraftturbine. Die Zahl der Stadtwerkmitarbeiter stieg in sieben Jahren um etwa vierzig Mitarbeiter.

Im Energiebereich sind nach Ansicht aller Fachleute die größten Beschäftigungseffekte zu erwarten. Bundesweit könnte die wärmetechnische Sanierung alter Wohnbauten (Dämmung, Lüftung, neue Fenster) mehr als 100000 Arbeitsplätze bringen, meinen die Autoren der EU-Studie. Allein der Einsatz von Wärmetauschern brächte 70000 Jobs, weitere 200000 würden durch den Einsatz weiterer Technologien wie Blockheizkraftwerke entstehen. Der Ausbau der Windenergienutzung ergäbe 80000 neue Arbeitsplätze, die Solarstromerzeugung schüfe 14000, ein Solarwärmeprogramm brächte deutlich mehr. "Andere Staaten haben die strategische Bedeutung neuer Energietechnologien bereits erkannt", konstatiert das Umweltbundesamt bedauernd. Japan und die USA fördern die Solartechnik massiv, in Dänemark bewirkte die hierzulande so heftig bekämpfte Ökosteuer einen Boom der erneuerbaren Energien.