Tausend spillerige Waldschrate mit grauen Bärten starren dich höhnisch an. Sie haben dich eingekreist und warten, die spitzen Finger fest ineinander verhakt. Sowie du dich rührst, greifen sie von allen Seiten nach dir. Pieksen, zerschrammen dein Gesicht. Aber es hilft alles nichts: Du mußt da durch. Spießrutenlaufen durchs Tuckamore, den verfilzten Krummholzwald Neufundlands.

Und alles wegen eines kleinen Umwegs, den du machst. Das nördlichste Stück des East Coast Trail, zwischen Cape St. Francis und der Cripple-Bucht, führt auf der Karte durchs Inland. Ziemlich langweilig allem Anschein nach. Aber schließlich gibt es eine wesentlich interessantere Küstenlinie, der man folgen kann. Wozu bedarf es da eines künstlich angelegten Wanderwegs?

Atempause. Bietet das Leben noch irgend etwas Erfreuliches? Sicher: Es gibt keine Schlangen hier. Und auch keine Moskitos - solange du in Bewegung bist. Und es besteht keine Gefahr, verlorenzugehen. Die Küste erstreckt sich immer noch zur Rechten, wenn jetzt auch in 200 Meter Entfernung.

Umkehren lohnt nicht. Cape St. Francis liegt inzwischen sicher weiter zurück als Cripple Cove noch voraus. Wieder hinein also: Augen zu und durch! Meter für Meter, Schramme um Schramme - und dann hängt da plötzlich ein kleines, weißes Dreieck an einem morschen Stamm. Ein bescheidenes, wunderschönes, brennend ersehntes, nicht mehr erhofftes Zeichen der Zivilisation: die Markierung des East Coast Trail. Heiße Freude, tiefe Dankbarkeit. Wozu es eines angelegten Pfades bedarf - die Frage wäre also geklärt.

Wie der East Coast Trail entstanden ist, das haben dir am Vortag zwei Leute der ersten Stunde erzählt: Peter Gard, Autor eines Wanderbuchs, und Elke Dettmer, Volkskundlerin aus Deutschland und Neufundländerin aus Berufung. Zusammen mit einem Häuflein Enthusiasten begannen sie im Jahr 1994, an der Ostküste der Avalon-Halbinsel ein paar alte Wege freizulegen, die lange davor von Jägern, Beerensammlern und auch Outlaws benutzt worden waren.

Zusammen arbeiten, zusammen Spaß haben - mit dieser Absicht trafen sie sich an den Wochenenden zu working parties: Zunächst hieß es, die überwucherten Pfade aufzuspüren oder, wo das nicht mehr möglich war, eine neue Wegführung festzulegen. Dann wurden Felsen zur Seite gewälzt, Gestrüpp gelichtet, Markierungen angebracht.

Draußen im Meer liegen die Wracks Hunderter von Schiffen