Der Anfang ist noch ziemlich klar: Als freischaffender Journalist oder auch "Autor", wie man vornehm zu sagen pflegt, braucht man ein Schlafzimmer und ein Arbeitszimmer. Obwohl - die Reflexionsmaschine setzt sich in Bewegung: Vielleicht braucht man auch ein Wohnzimmer und ein Arbeitszimmer?

Gesetzt, man entscheidet sich für ein Wohn- und ein Arbeitszimmer, muß man darüber nachdenken, wo dann das Bett stehen sollte. Im Wohnzimmer wirkte es etwas indiskret. Also müßte es im Arbeitszimmer stehen. Im Arbeitszimmer würde das Bett allerdings vielleicht arbeitshindernd wirken. Außerdem rauche ich viel zuviel am Schreibtisch. Andererseits sitze ich rauchend auch gern im Wohnzimmer mit rauchenden Freunden. Manchmal denke ich, Raucher und Nichtraucher werden nie zueinanderfinden.

Vieles spricht auch dafür, das Arbeitszimmer in den Mittelpunkt zu stellen?? oder den Wohnzimmertisch. Oder den Fernseher. Denn im Innern des Fernsehers sind viele Menschen, die jedes Zimmer interessanter machen. Man könnte auch ganz auf das Zentrum verzichten und die Möbel sozusagen antihierarchisch aufstellen, damit sich kein Stuhl mehr beschweren kann. Das klingt alles prima, scheitert aber gewöhnlich an der Lebenspraxis, die bestimmte Dinge zu bevorzugen pflegt.

Eine Freundin sagt, das Bett sei am wichtigsten; ich entschied mich für den Schreibtisch. Kopf sagt Schreibtisch, Bauch auch. Die Vorzüge einer Bevorzugung des Schreibtisches sind schnell aufgezählt: der Schreibtisch ist mein schönstes Möbel. Außerdem kann man an die Wand, auf die der Schreibtisch guckt, Lieblingspostkarten und Photos hängen. Da die Wand mehr oder weniger weiß ist, ist das Licht, das von Schreibtischlampe und Wand auf den Schreibtisch abends fällt, eigentlich ganz angenehm. So ist die Wand sehr beruhigend; zumindest ein paar Stunden, Tage, Wochen lang, nachdem man den Schreibtisch an die Wand gestellt hat.

Dann stört das plötzlich. Die Wand begrenzt die Gedanken, die sich gerade auf weite Fahrten begeben wollten. An der Wand zerschellen die Ideen. Wer tagelang auf eine Wand schaute, weiß, wovon ich rede.

So stelle ich den Schreibtisch um. Nun schaut er nach draußen. Eine tolle Sache! Der Rest ordnet sich von selbst. Alles ist prima und gelungen, und wie interessant ist es doch, vom Schreibtisch aus zu beobachten, was draußen auf der Straße und in den Wohnungen gegenüber so geschieht.

Andererseits: So richtig interessant ist es doch nicht. Nach drei Wochen passiert nur noch selten Überraschendes. Manchmal ist Aus-dem-Fenster-Gucken sogar störend und tendiert ins Zwanghafte. Man muß da ja immer hingucken. Als stünde da ein Fernseher. Da kann man ja auch den Blick nicht von wenden. Deshalb haben einige Bekannte ihren Fernseher auf den Speicher gestellt. Nicht so sehr aus grundsätzlich bildkritischen Erwägungen - "Fernsehen macht dumm" -, sondern weil sie da immer hingucken mußten. So geht es mir auch mit Videospielen oder der Straße und den Fenstern auf der anderen Seite. Gerade putzt da drüben jemand Fenster. Gleich fällt er bestimmt runter, und auf dem Bürgersteig gibt's eine Schweinerei.