Immer wenn das Umweltbundesamt (UBA) seinen Jahresbericht präsentiert, droht Streit. Im vergangenen Jahr beschwerte sich die Autoindustrie, weil sie ihre Bemühungen um Klimaschutz und saubere Luft von den Ökobeamten aus Berlin nicht ausreichend gewürdigt sah. In diesem Jahr könnte es Ärger mit der Stromwirtschaft geben. Denn deren Geschäftsgebaren hat das UBA als Bedrohung für den Klimaschutz erkannt: als "Flaschenhals eines nachhaltigen Energiewirtschaftens".

Der Grund für die Warnung: Die Stromverkäufer hierzulande tun genau das, was sie aus Gründen des Umweltschutzes nicht tun sollten. Nachdem die Stillegung und Umstrukturierung der übelsten Dreckschleudern in Ostdeutschland der Erdatmosphäre Entlastung verschaffte, droht wegen wachsender Stromproduktion nun wieder vermehrter Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2).

Tatsächlich schätzen von der Bundesregierung beauftragte Gutachter, daß der Absatz der elektrischen Edelenergie bis zum Jahr 2020 um rund dreißig Prozent steigen wird. Schon heute aber steuert die Stromproduktion in Kohle- und Gaskraftwerken insgesamt rund ein Drittel zu den CO2-Emissionen bei. Stimmt also die Prognose, wird die Stromwirtschaft dem Klima in Zukunft noch heftiger zusetzen - es sei denn, es gelänge zweierlei: massenweise "grünen" Strom aus Sonne, Wind oder Biomasse an die Verbraucher zu bringen, ohne dabei zusätzliches Kohlendioxid (CO2) entstehen zu lassen

oder mit Hilfe intelligenter Technik aus einer Tonne Kohle oder Gas mehr nutzbare Energie herauszuholen.

Alternative eins, grüner Strom, verschafft allerdings nur langfristig Linderung beim Klimafrevel. Denn von der Wasserkraft abgesehen, trägt regenerative Energie bisher fast nichts zur Deckung der Stromnachfrage bei.

Zwar sind viele Experten davon überzeugt, daß der Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse die Zukunft gehört. Mitte des kommenden Jahrhunderts könnten diese Quellen rund die Hälfte des Weltenergiebedarfs decken, schätzen Strategen des Ölmultis Shell. Und die Schweizer Bank Sarasin verhieß kürzlich insbesondere der Solarenergie ein glänzendes Wachstum. Dennoch: Zunächst wird der Stromverbrauch schneller wachsen, als das Stromangebot aus erneuerbaren Quellen zunimmt.

Also könnte nur Alternative zwei dem Klimaschutz dienlich sein: mehr Intelligenz bei der Energieumwandlung. Modernste GuD-Kraftwerke, mit Gas- und Dampfturbinen gleichzeitig ausgestattet, wandeln zwar schon bis zu 56 Prozent der im Erdgas enthaltenen chemischen Energie in Strom um. Insgesamt eine noch wesentlich größere Energieausbeute läßt sich allerdings erzielen, wenn in den Kraftwerken nicht nur Strom, sondern gleichzeitig Wärme erzeugt wird - Wärme, die in Betrieben oder Haushalten umweltschädlichere Energiequellen ersetzt und so das Klima schont. Deshalb fordert das Umweltbundesamt: "Wenn irgend möglich, sollte Strom in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt werden."