Am 27. September pflanzt die Deutsche Bahn in ihren Tarifdschungel ein neues Gewächs: Bis zum Beginn der Weihnachtsreisewelle am 15. Dezember können die Bahnkunden in den InterRegios günstiger reisen. Das neue Angebot HerbstSpezial kostet unabhängig von der Entfernung für BahnCard-Inhaber 49 Mark, für alle übrigen Kunden 69 Mark (1. Klasse 89/109 Mark). Es gilt täglich außer freitags und sonntags von 9 Uhr an. Gegenüber dem normalen DB-Fahrpreis lohnt sich der HerbstSpezial bei Entfernungen ab 300 Kilometern, bei Hin- und Rückfahrt am selben Tag schon ab 150 Kilometern. Das Angebot ist weder kontingentiert noch an eine Reservierungspflicht gebunden.

Schnell und teuer oder langsamer und billiger: Die Strecke von Frankfurt nach Hamburg schafft der ICE in rund dreieinhalb Stunden, der InterRegio benötigt über fünf Stunden. Die anderthalb Stunden Zeitverlust belohnt die Bahn mit einer Ersparnis bis zu 113 Mark. Bonbon für Spätfahrer: Ab 19 Uhr und samstags bereits ab 14 Uhr können auch die schnelleren InterCitys und ICEs zum Billigtarif benutzt werden.

Mit ihrer Herbstofferte will die Bahn beweisen, so Sprecher Martin Katz, "daß wir tatsächlich versuchen, den Markt anzukurbeln, und daß Bahnfahren hierzulande preiswert ist". Mit der massiven Kritik hinsichtlich der Streichpläne beim InterRegio vor wenigen Wochen habe das "überhaupt nichts zu tun". Politiker und Journalisten hatten von der Bahn gefordert, ihr Angebot attraktiver zu machen, statt es zu kappen.

Der HerbstSpezial fügt den über 2000 verschiedenen Arten von Fahrpreisen nun noch einen weiteren hinzu. Im Tarifdschungel der Bahn verlieren selbst ausgefuchste Spezialisten in den Reisebüros nicht selten den Überblick.

Deshalb verkaufen sie ihren Kunden längst nicht immer den günstigsten Fahrschein.

Seit vier Jahren grübeln die Eisenbahner über einem neuen, einfacheren Tarifsystem. Das scheitert nach Angaben der Bahnbosse bisher an drei Problemen: an der Komplexität, neben dem Fernverkehr auch den Nahverkehr einzubinden, an der komplizierten EDV-Technik und an der Schwierigkeit, das künftige Preissystem beim Kunden so rüberzubringen, daß es jeder versteht.

Im sogenannten Loco-Preis-System sollen die bisherigen Kilometer- durch Relationspreise ersetzt werden. Nicht mehr die Länge der Strecke bestimmt dann die Fahrtkosten, sondern die Konkurrenzsituation gegenüber Auto und Flugzeug. In der zweiten Jahreshälfte 1999 soll es endlich soweit sein. In einem nächsten Schritt, so die Planung, könnten die Tarife auch noch hinsichtlich der Nachfrage und unterschiedlichen Tageszeiten angepaßt werden.