die zeit: Herr Fischer, Sie kreuzen im lila Wahlkampfbus sieben Wochen lang durch die Republik. Haben Sie schon einen Deutschlandkoller?

Joschka Fischer: Im Gegenteil. Ich habe Deutschland in seiner ganzen Vielfalt noch nie so erfahren. Es gibt sie wirklich, die deutschen Stämme. Auch das kulturelle Eigenleben der jeweiligen Länder. Die Nordrhein-Westfalen sind anders als die Niedersachsen und Hessen.

zeit: Woran merkt man das denn?

Fischer: Es sind die historischen Unterschiede. Wo Kleinbauern zu Hause waren, oder wo die Domänenwirtschaft existierte. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten. Das Reisen durch Sachsen hat mich stark an meine Herkunft aus Württemberg erinnert. Das Tüftlertum, das schaffende Wesen.

zeit: Sie hoppen von Marktplatz zu Marktplatz. Welche Plätzchen haben Sie besonders ins Herz geschlossen?

Fischer: Den in Naumburg. Auch in Zwickau habe ich schöne Plätze gesehen. Und das Schloß Köthen. Dort kamen wir im Dunkeln an. Erst die Schloßbrücke, dann der Turm, und plötzlich standen wir zur Wahlveranstaltung in einem nicht renovierten Spiegelsaal. Und draußen flogen die Fledermäuse.

zeit: Das wird ihre Parteifreundin und Tourismusexpertin Halo Saibold gerne hören, denn sie wirft sich für den Deutschlandurlaub ins Zeug. Haben Sie da kein schlechtes Gewissen, Jahr für Jahr in die Toskana auszubüxen?