Fremde im eigenen Land" seien die Machthaber im "SED-Staat" gewesen. Ihre Herrschaft, von außen gegründet, gestützt und (mittelbar) gestürzt, sei von innen letztlich nur durch Gewalt gesichert worden. Am Ende sei der SED-Staat an seinen Widersprüchen zugrunde gegangen: Er habe kein nationalstaatliches Fundament, keine demokratische Legitimation und keine industriegesellschaftliche Zukunft besessen. So ließe sich die These der gewichtigen DDR-Geschichte umreißen, die Klaus Schroeder unter Mitarbeit von Steffen Alisch vorgelegt hat.

Jedes Unternehmen dieser Art, das mehr als eine Buchbindersynthese sein will, braucht eine ordnende Perspektive, die eine Sicht auf vierzig Jahre Zeitgeschichte freilegen kann. Schroeders Buch hat eine solche Perspektive.

Sie macht seine Stärke aus und markiert gleichzeitig seine Grenze.

Die Deutungsachse, die dem Leser angeboten wird, ist die einer durch die Begrifflichkeit der Totalitarismustheorie strukturierten Herrschaftsgeschichte. Ihr ist die Geschichte der Gesellschaft nach- und untergeordnet. Ausgehend von dieser Prämisse wird die DDR-Geschichte in drei großen Zugriffen erschlossen: Den Anfang macht eine durch Zusammenfassungen und Zeittafeln gut gegliederte chronologische Darstellung, es folgen systematische Analysen des Herrschaftsapparates, der Wirtschafts- und Sozialpolitik, der SED-Ideologie, des Bildungswesens und - knapp, zu knapp - der Gesellschaft und des Alltagslebens. Schließlich werden grundlegende Entwicklungslinien und Merkmale des SED-Staats interpretatorisch zusammengebunden.

Vor allem den ersten anderthalb Nachkriegsjahrzehnten wird ein hohes Maß an Stringenz eingeschrieben: Die Brüche von 1945/49 treten scharf hervor, Kontinuitäten und west-östliche Interdependenzen bleiben eher unterbelichtet.

In Schroeders Sicht folgt der Aufbau des Sozialismus im halben Land konsequent dem Meisterplan der Ulbricht-Führung. Die Schilderung der sechziger Jahre und der Honecker-Ära betont dagegen viel stärker die inneren Widersprüche des Regimes.

Unauflösbare Zielkonflikte, wohin man schaut