Die zentraleuropäische Renaissance dauerte zwei Jahrhunderte - Afrika, einem viel komplexeren und differenzierteren Gemeinwesen, gewährte der Autor drei Jahre für eine Selbstfindung. Das Ergebnis war abzusehen: Renaissance gescheitert - Botschaft kaputt - die hundertste Wiederkehr der Vision eines in Blut und Elend versinkenden Kontinents.

Während Zeitzeugen von Galilei mit apathischer Gelassenheit langfristige Projekte auch dann verwirklichten, wenn Briefe aus Rom ihren unmittelbaren Wirkungshorizont verdunkelten, fehlt es europäischen Korrespondenten in unserer kurzlebigen Zeit an der nötigen Langmut. Nachdem die Theorien des Nordens Afrika weder eine industrielle noch eine politische, weder eine nachholende noch eine nachhaltige Entwicklung bescheren konnten, wird einem Entwicklungspessimismus gefrönt, der seit je eurozentristische Überlegenheitsphantasien auskleidet.

Wie für spätmittelalterliche Laienmönche Philosophie nur Interpretation der Bibel sein konnte, kann für den europäischen Betrachter afrikanische kulturelle Renaissance nur Reproduktion jener "protestantischen Ethik" sein, die Max Weber zwischen Mittelmeer und Nordkap entdeckte

politische Renaissance muß das Ideal eines demokratischen Rechtsstaates zum Ziel erheben und ökonomische Renaissance den Neoliberalismus heilig sprechen. Renaissance darf scheinbar nur eins nicht sein: innovative Suche nach einem eigenständigen, an den afrikanischen Wurzeln anknüpfenden Weg.

Dr. Kai Schmidt-Soltau Buea, Kamerun