Thilo Kössler: Ist der Sudan eine Kaderschmiede des internationalen Terrorismus?

Sadiq al-Mahdi: Es gibt genügend Beweise für den Verdacht, daß das Verhalten der sudanesischen Regierung mit Terrorismus zu tun hat. Was die konkreten Vorwürfe zu jener Fabrik angeht, die von den Amerikanern bombardiert wurde, dafür kann ich mich natürlich nicht verbürgen. Ich habe mich für eine internationale Kommission eingesetzt, die das untersuchen soll.

Ich weiß aber mit Sicherheit, daß die Beziehungen zwischen dem Sudan und dem Irak sehr, sehr eng sind. Es gibt einen regen Waffenhandel, es werden irakische Experten in den Sudan geschickt, es gibt finanzielle Unterstützung aus Bagdad - das alles vor dem Hintergrund der politischen Isolation des Sudan und der völligen Isolation des Irak: Das ist der gemeinsame Nenner der Zusammenarbeit.

Kössler: Wird der Terrorist Osama bin Laden von der Regierung des Sudan weiterhin unterstützt?

Al-Mahdi: Dieser Mann unterhält sehr enge Kontakte zur sudanesischen Regierung. Er war ziemlich lange Zeit im Sudan, machte da seine Geschäfte, hat dort noch immer seine Angestellten. Und er ist Teil eines radikalen islamistischen Netzwerks, zu dem das sudanesische Regime sehr enge Kontakte unterhält.

Kössler: Welche Rolle spielt der Sudan in diesem Netzwerk?

Al-Mahdi: Die offizielle sudanesische Ideologie lehnt sich sehr eng an die extremistische Position der Islamisten an. Im Namen dieser Ideologie unterdrückt das Regime bis heute die eigene Bevölkerung und nennt seinen Krieg gegen den Südsudan Dschihad, heiligen Krieg. Das heißt, daß die Regierenden immer noch die extremistischen Ideologien unterstützen - wenngleich sie jetzt unter dem Eindruck ihrer Schwäche ihre Zunge etwas gezügelt haben.