Das Holocaust-Mahnmal sollte gebaut werden. Daß die Absicht seit langer Zeit zerredet wird, hängt sicher auch mit der Schwierigkeit zusammen, etwas nahezu Unfaßbares in eine äußere Form zu bringen, also "faßbar" zu machen.

Vielleicht ist literarisch die "Todesfuge" Celans ein Gegenbeispiel, und vielleicht findet sich ein Künstler, der einer visuellen künstlerischen Lösung noch näher kommt. Aber die Schwierigkeit, das Mahnmal zu realisieren, ist auch eine Folge der weiterhin unabgeschlossenen psychischen Bewältigung des Massenmordes.

Prof. Dr. Hans Müller-Braunschweig, Wettenberg

Solange die real existierenden Gedenkstätten um Mittel für Personal, Aktivitäten und Bauerhaltung kämpfen müssen, findet die Polemik um das Holocaust-Mahnmal auf dem falschen Schauplatz statt. In Sachsenhausen und Ravensbrück fehlt das Geld für notwendige Instandsetzungen. Wettbewerbe zur Neugestaltung wurden in die Wege geleitet, für die so gut wie keine Ausführungsmittel vorhanden sind. Die zahlreichen Schülergruppen können nur unzureichend betreut werden, die Archivarbeit ist durch Geldknappheit eingeschränkt.

Rainer Höynck, Berlin

Abgesehen davon, daß bei einem solchen Projekt Bescheidenheit angebracht ist, hat dieses Mahnmal einen großen Nachteil: Um es zu sehen, muß man erst nach Berlin fahren. Ich plädiere deshalb dafür, die Erinnerung an Opfer und Greuel des Naziregimes durch staatliche Förderung überall in Deutschland wachzuhalten durch kleine Mahnstellen in vielen, vielen Orten. Orte der Erinnerung gibt es überall reichlich: Bahnhöfe, über die Menschen im "Dritten Reich" abtransportiert wurden, Wohnhäuser und Geschäfte jüdischer Mitmenschen und vieles mehr. Menschen könnten sich allerorten damit befassen, also nicht nur einige Künstler und Politiker, und die Auseinandersetzung würde mitten in die Gesellschaft getragen.

Joachim Fischer, Bremen