Wir fangen mit den Katakomben an, um chronologisch vorzugehen, Bambino."

Kardinal Ottavio Levi, ein kleiner, rundlicher Mann, holt kaum Luft - ein forscher Reiseführer: "Die Gräber der ersten Christen, die unterirdischen Basiliken, zwei Stunden, basta cosi." Der kleine Theo ist skeptisch, erstens ist er kein Bambino mehr, und zweitens will er das Forum Romanum sehen. Da brummt der Kardinal: "Das hat aber gar nichts mit dem Christentum zu tun, Bambino." Doch sei's drum, ein Ausflug in die Götterwelt der alten Römer also, schließlich ist Theo der Gast und die Hauptfigur in diesem Roman.

"Theos Reise" ist der Titel dieses "Romans über die Religionen der Welt".

Catherine Clément hat ein dickes, vollgepacktes Buch geschrieben: Nach Sofies großer, weiter Welt des philosophischen Denkens nun Theos lange Reise zu den Städten und Stätten der Weltreligionen. Nach dem Vorbild von Jostein Gaarder wieder eine Hochzeit zwischen Sachbuch und Roman, Fakten und Fiktion. Schon bei Gaarder hatte es in solcher Ehe ja durchaus geknirscht, stand die erzählerische Fiktion doch arg unterm Pantoffel des Lehrstoffes. Dessen Präsentation aber ließ so manches verzeihen.

Du lernst die Welt und die Geschichte der Dinge kennen, ohne dich anstrengen zu müssen, ohne Langeweile und ganz zwanglos. So etwa lautet insgeheim das Versprechen dieser erzählerisch verpackten Sach- und Wissensbücher. Der Umweg als Abkürzung, die Erzählung als Katalysator des Verstehens und inniger Anteilnahme?

Auch in "Theos Reise" wirkt die Romanhandlung oft ausgedacht, unterzieht sich pflichtschuldigst immer wieder der Aufgabe, einen kleinen Vortrag oder Dialog über eine der Religionen zu inszenieren. Doch Catherine Clément hat ein Motiv gefunden, durch das sie bisweilen den Erzählstrang eng ans Thema zu flechten vermag.

Theo leidet unter einer merkwürdigen und gefährlichen Krankheit, der die westliche Schulmedizin nur bedingt abhelfen kann. Die Reise zu den Religionen ist ein Geschenk seiner Tante Marthe, zugleich ein verzweifelter Versuch, den Jungen zu retten und zu heilen. Alles ist bestens organisiert, überall auf der Welt hat Marthe Freunde, die den fragelustigen Neffen mit fremden Sitten und Gebräuchen vertraut machen. Und sehr nett: In jeder Stadt präsentieren Marthe und ihre Freunde ihm ein Rätsel, einen kryptischen Sinnspruch, der das nächste Ziel der Reise bezeichnet: Jerusalem, Kairo, Luxor, Rom, Dehli, Benares, Jakarta, Tokio, Moskau, Istanbul, Dakar, Rio, New York, Athen und Delphi. Also wahrlich eine religiöse Schnitzeljagd rund um den Globus.