Was für Chuzpe doch Seilschaften entwickeln können. Zum Beispiel die um Gerd Langguth, früher Staatssekretär und Berlin-Bevollmächtigter in Bonn und seit Jahrzehnten von der Sonne Helmut Kohls beschienen. Seit Monaten versucht das Kanzleramt Langguth auf den Vorstandsposten von Inter Nationes (IN), dem Institut zur Pflege deutscher Kultur im Ausland, zu hieven. Einziger Schönheitsfehler auf dem Weg nach oben: die Mitgliederversammlung von IN, bestehend aus Abgesandten von Parteien und gesellschaftlichen Gruppen. Da die sich ungern bevormunden lassen, haben sie Langguth bei der Wahl durchfallen lassen. Das erste Mal vor einigen Wochen, zum zweiten Mal vor wenigen Tagen.

Wieder waren die Begleitumstände beschämend. Vier Kandidaten gab es, von denen drei nacheinander herausfielen, bis Langguth übrigblieb. Auch im vierten Wahlgang verpaßte der die nötige absolute Mehrheit (29 von 57 Stimmen). Ein letzter Appell von Kanzleramtschef Friedrich Bohl zugunsten Langguths hatte nicht gefruchtet. Nun wird über eine Änderung der Satzung nachgedacht, mit der Inter Nationes vierzig Jahre gut gefahren ist. Damit der Kanzlerfavorit endlich durchgepaukt werden kann, soll eine Wahl mit einfacher Mehrheit der anwesenden Mitglieder genügen. Das könnte gerade gelingen. Fragt man Beteiligte nach Gründen für Langguths bisherige Niederlagen, verweisen diese darauf, daß er auf seinen vielen bisherigen Posten nie lange bleiben durfte, nicht mal unter Parteifreund Rupert Scholz, als der noch Berlin-Senator für Bundesangelegenheiten war. Fragt man nach Gründen, weshalb Langguth beim Kanzler so beliebt ist, wird eine alte Männerfreundschaft erwähnt. Als Bundesvorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten hat Langguth schon Anfang der siebziger Jahre Hellseher gespielt und Deutschlands Zukunft bei einem Mann gesehen, mit dem damals nur wenige gerechnet haben - bei Helmut Kohl. Wenn das keine Belohnung wert ist.

Langmütig Was im deutschen Staatsdienst alles möglich ist, war unlängst in der Prozeßberichterstattung des Bonner Generalanzeigers nachzulesen: Sven S., Oberamtsrat bei Finanzminister Theo Waigel, hatte sich 1994 krank gemeldet, was ja schon mal vorkommt. Seither war er jedoch nur noch einmal erschienen, um sich nach der unziemlichen Frage, was er denn wolle, erneut mit einem Rückfall krank zu melden. Gleichwohl zeigte sich sein Arbeitgeber, der Finanzminister, großzügig und zahlte dem Oberamtsrat noch bis Juni dieses Jahres volle Bezüge. Dabei hatte der Kranke sogar zehn Termine zur amtsärztlichen Untersuchung platzen lassen, den vorletzten mit dem Hinweis, wegen unzureichender Besoldung (zwischen 5000 und 7000 Mark pro Monat) könne er weder anständige Kleidung noch Nahrung und Fahrgeld aufbringen. Den allerletzten Arzttermin, zu dem man ihm eigens einen Dienstwagen mit Chauffeur ins Haus schickte, ließ er erneut sausen. Als man im Finanzministerium endlich merkte, daß das gute Dutzend vorgelegter Atteste gefälscht sein könnte, übernahm die Staatsanwaltschaft den Fall. Die legte Sven S. jetzt in zweiter Instanz das Handwerk. Das Urteil nach vier Verhandlungstagen: vierzehn Monate auf Bewährung wegen gefälschter Atteste.