Das ist doch schon mal ein ganz gutes Zeichen, wenn der neue Bahn-Vorstand für den Personenfernverkehr, Axel Nawrocki, einen zentralen Mißstand beim Schienenunternehmen erkennt: Den meisten Eisenbahnern ist nahezu vier Jahre nach dem politischen Kraftakt ihrer Bahn-Reform der Dienst am Kunden immer noch ein Fremdwort. Passagiere werden oftmals, wie früher, nur als Beförderungsfälle betrachtet - die innere Bahn-Reform hat Verspätung.

Ob lange Schlangen vor den Fahrkartenschaltern oder kalter Kaffee im Waggon: mit etwas mehr Einsatz und Flexibilität müßten die kundenschreckenden Zustände nicht sein. Sie vor allem sind es, die das große Ziel der Bahn-Reform in weite Ferne rücken - nämlich Autofahrer in Scharen zum Umsteigen zu bewegen. Allerdings: auch das Management an der Spitze muß sich modernisieren und einen neuen Geist verinnerlichen. Disziplinarische Maßnahmen, wie sie Nawrocki jetzt als sein favorisiertes Mittel zum Besseren ankündigte, passen eher zur alten Beamtenbahn als zu einem Dienstleister mit Zukunft.