Klatschen gehört seit Urzeiten zum kleinen Einmaleins des Pauschaltourismus. Ohne gebührenden Applaus nach sanfter Landung an den Feriengestaden, das lernten wir auf zahllosen Urlaubsflügen nach Palma, Antalya & Co, würde heutzutage kein fliegendes Personal mehr verabschiedet.

Künftig aber dürfte zwischen Düsseldorf und Mallorca so mancher rotweiße Jet der Chartergesellschaft LTU schon während des Fluges von hunderten rhythmisch aneinandergeschlagenen Händen erbeben. Weil im Entertainmentzeitalter auch an Bord die Zeit nicht mehr wie im Fluge vergeht, verkürzt den Passagieren ein braungebranntes Trio aus Kuba mit folkloristischen, karibischen Weisen die Anreise zu Strand und mehr.

Die innovativen Kubaklänge - wohl kein gänzlich uneigennütziges Event: Stehen doch bei der Reiseindustrie für den Winter auf der Karibikinsel noch jede Menge Flugsessel und Hotelbetten leer und zum Buchen bereit.

Führt diese gar nicht so unterschwellige Suggestion aus der Trickkiste der Verkaufspsychologen zu einem neuen Kubaboom unter den Passagieren, könnten schon bald noch ganz andere als Entertainment getarnte Vertriebsmethoden Einzug an Bord halten: Wie wäre es mit einer Degustation österreichischer und schweizerischer Weine, damit es mit den Urlauberzahlen in den Alpenrepubliken wieder bergauf geht? Und wie stände es mit einem Kochkurs für scharfes Thaicurry und indonesisches Satay, um den Tourismus in Südostasien anzufeuern?

Bei der künftig vereint reisenden gelbblauen LTU-Konkurrenz von Condor und Neckermann in Frankfurt könnte man sogar noch einen Schritt weitergehen. Die zugegebenermaßen schmalen Kabinengänge wären der ideale Laufsteg für noch schmalere Models - gehüllt in die neueste Prêt-àporter-Freizeitmode der Neckermann-Mutter Karstadt.

Selbst in dem Falle, daß den deutschen Airlines wider Erwarten kein großes Zubrot winken sollte, die Fluggäste wären beschäftigt und kämen nicht auf dumme Gedanken - so wie in England, wo sich die Auswüchse an Bord seit 1995 vervierfacht hatten.

Doch im Mutterland des Fußballs reagierte man standesgemäß: British-Airways-Passagieren, die sich an Bord wie Rüpel benehmen oder trotz Rauchverbot am Glimmstengel ziehen, zeigen strenge Stewardessen die gelbe Karte. Darauf steht, was renitente Randalebrüder beim nächsten Foul erwartet: Knast statt Kanaren oder eine happige Rechnung, falls der Pilot aufgrund ihres Ausrastens außer Plan am nächsten Flughafen niedergehen muß.