Haben wir nicht irgendwann genug vom ständigen Rundlauf im Hamsterrad?

Welch Luxus, dem entfliehen zu können! Aber wie? So viele Tips und Ratschläge gibt es für die rechte Erholung, daß es zum neuen Streß wird, sich mit ihnen auseinandersetzen zu wollen.

"Zu viele Antworten sind wie keine" schrieb Dieter E. Zimmer vor einem Jahr in dieser Zeitung. Anlaß zu seiner bekümmerten Feststellung war ihm ein Informationsbegehren im Internet. "Ihre Suche würde über 2700 Titel ergeben", hatte eine elektronische Bibliothek geantwortet. Suche einengen, aber wie? -

das werde zur Frage aller Fragen in der Informationsgesellschaft, so der überfütterte Autor.

Sorgen hat der, dachte ich, als ich damals den Artikel überflog. Ich kam gerade von einem Ferienaufenthalt auf einer Berghütte zurück, auf der ich jedes Jahr mit meinen beiden Söhnen (mittlerweile sieben und zehn Jahre alt) einige Wochen verbringe. Und wenn ich könnte, würde ich den Zeitraum gern weiter ausdehnen - das wäre Luxus. Den Zeitraum eines Lebens ohne Strom, ohne Telephon, Radio und Fernsehen, ohne Fax und ohne Notebook - herrlich!

So auch diesen Sommer. Ich sitze morgens am Holztisch vor dem Haus, die Kinder schlafen noch, ich nippe an einem Kaffee und betrachte die einstige Almwiese, die langsam vom Waldrand her überwuchert wird, seit kein Bauer mehr hier seine Kühe weiden läßt. Früher, ich weiß es aus meinen Kindertagen, kamen fast täglich Spaziergänger vorbei, verlangten bisweilen nach einem Glas Milch oder einer "Jause".

Heute ist der See überwimmelt von Surfern, am Ostufer gegenüber regnen die Gleitschirmflieger geradezu in Trauben von den Gipfeln des Rofanmassivs herab, unten am Uferweg hetzen die Mountainbiker hintereinander her - hier oben jedoch, etwas abseits, ist kein Wanderer mehr zu sehen. Wenn wir drei nicht einkaufen gehen wollen - rund eine Stunde Fußmarsch -, sind wir tagelang allein.