Die Fusion zwischen Daimler-Benz und dem US-Autokonzern Chrysler hat eine Diskussion um die Spitzenverdienste in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft entfacht. Die Vorstände vor allem der großen Publikumsgesellschaften müssen sich gegen den Eindruck wehren, sich ungeniert selbst zu bedienen. Daß der Daimler-Coup diesem Verdacht Nahrung gibt, kann nicht verwundern. Denn bei der Harmonisierung des opulenten Chrysler-Gehaltssystems mit dem vergleichsweise bescheidenen Mercedes-Gehaltsgefüge - allein Jürgen Schrempps Counterpart Bob Eaton verdient mehr als der gesamte Daimler-Vorstand zusammen - wird für die Schwaben ein gut belegtes Zubrot herausspringen.

Wonach ist der Lohn für die höchsten Führungsämter einer Aktiengesellschaft zu bemessen? Das Aktiengesetz hilft bei der Beantwortung dieser Frage kaum weiter. "Angemessen" soll die Vergütung sein, heißt es da, ohne nähere Erläuterung. Ob es die 7,5 Millionen Mark sind, die der scheidende Bertelsmann-Chef Mark Wössner erhält, oder die zwei Millionen, die sein Siemens-Kollege Heinrich von Pierer verdient - welches Maß soll gelten? Die voraussichtliche Aufstockung der Bezüge für die Daimler-Oberen wird sicher auch für andere Unternehmen Folgen haben. Der eine oder andere Konzernchef wird sich fragen, ob er denn um soviel schlechter ist als der Herr im Reich des guten Sterns.

Tatsächlich hat der "big Lift" bei den Vorstandsgehältern längst begonnen - durch eine teilweise deutliche Anhebung der Festbezüge und die in immer mehr Aktiengesellschaften als Leistungsanreiz eingeführten oder geplanten Stock-Options-Programme. Dahinter steht nicht nur - möglicherweise nicht einmal in erster Linie - die Sucht nach immer höheren Einkommen. Im Zeitalter der Globalisierung sind auch Managergehälter immer stärker ein Ergebnis des Marktes, und dieser Markt wird mit zunehmender Verflechtung ein Weltmarkt.

Vor allem in Branchen, in denen die Deutschen Nachholbedarf haben, ist es heute fast unmöglich, dringend benötigte ausländische Spitzenmanager zu hiesigen Konditionen ins Land zu holen. Die neuen Herausforderer der Telekom haben dies ebenso erfahren müssen wie die deutschen Großbanken bei ihren verzweifelten Anstrengungen, durch das Engagement angelsächsischer Spitzenkräfte im Investment Banking zu den führenden Konkurrenten aufzuschließen.

In einer Zeit, in der Führungskräfte mobiler werden, kann Deutschland keine Insel der Bescheidenheit sein. Ein brillanter Software-Ingenieur oder Genforscher ist schnell ins Silicon Valley entschwunden, wenn er dort das Dreifache verdienen kann. Konzerne wie die Chemiemultis, die in den Vereinigten Staaten mehr umsetzen als auf dem deutschen Heimatmarkt, können ihr Personal immer weniger nach deutschen Standards besolden.

Das in deutsche Vorstandsetagen eingezogene Shareholder-value-Denken hat ein übriges dazu beigetragen, daß Topmanager auch hierzulande kräftig hinzuverdienen können. Die Käufer ihrer Aktien, allen voran institutionelle Anleger wie Versicherungen, Pensions- und Investmentfonds, registrieren aufmerksam, ob die Vergütung des Vorstandes vom Erfolg des Unternehmens abhängt und die Manager so mit den Aktionären in einem Boot sitzen.

Gesellschaften, die sich an der Wall Street listen lassen, tun deshalb gut daran, vor diesem Schritt durch das Angebot von Aktienoptionen an die Führungskräfte Anreize für eine bessere Performance zu schaffen.