Pliff! Plaff! Pluff!"- vielleicht die erstaunlichste Zeile in einem Werk, dessen Anspruch nichts weniger ist, als ins Absolute vorzudringen und die Schönheit als Verherrlichung der Wahrheit durchzuexerzieren. Ja, die in die höchsten Sphären des Geistigen und Sensuellen davoneilende, in den Rhythmus verliebte Dichtung des 1862 bei Marseille geborenen und 1940 in der Bretagne verstorbenen Saint-Pol-Roux hat, vielleicht mehr als jedes andere Werk dieses Jahrhunderts, den Charakter eines Exerzitiums und einer Prozession.

Genau dies meint auch der Titel des zweiten Bandes einer Trilogie ("Die Stationen der Prozession"): "Von der Taube zum Raben über den Pfau". Er schreibt: "Fordern wir also vom Dichter, daß er nackt und frei sei, und lassen wir zu, daß zwischen der Taube seiner Güte und dem Raben seiner Ängste der menschliche Pan sich mit einem ,o' zum ,Paon', dem Pfau, schmückt, um der Wahrheit zur Ehre sein Rad bildschön über den gegensätzlichen Erscheinungen zu schlagen, sanft und heftig, strahlend oder düster, christlich oder heidnisch, in dennoch einheitlicher Individualität."

Die individuelle Erfahrung, die Bedingungen des Realen und die universale Geltung der Erscheinungen im dichterischen Ausdruck zu vereinen - dies war das Anliegen des von Apollinaire und Breton als "Meister des Bildes" verehrten und von Mallarmé als "mein Sohn" bezeichneten Enthusiasten des Wortes. Seinen Phantasien und Phantasmen hat er in seinen Prosagedichten und Essays (vor allem in der großartigen "Res Poetica" und in den "Traditionen der Zukunft") eine unverwechselbare Gestalt verliehen. Auch wenn uns der von ihm angeschlagene hohe Ton zuweilen etwas entrückt erscheinen mag, auch wenn zeitgenössischer Dekor manch Wortgemurmel und Seelenflitter umgibt, so kann man sich doch kaum der Kraft dieser Poesie und der dem Pathos eigenen Erkenntnismöglichkeiten entziehen.

Mit diesem Band hat der von der Kritik eher schlecht behandelte, als "Symbolist" abklassifizierte Dichter ein weiteres Mal versucht, den Lebens- und Leidensweg, die "Prozession", aus eigener Erfahrung und in der Ausweitung bis ins Absolute darzustellen.

Zwischen "Pliff!" "Plaff!" "Pluff!" und den kirchlichen Altären, zwischen dem Alltäglichsten und Heiligsten zieht der "Ziseleur des Wortes" (Max Jacob) die Fäden. Den Vögeln verleiht er neue, ganz vom Anschauen gesättigte Namen: "Zaunkönig: Säuglingsauge! Meise: Mädchenauge! Grasmücke: Knabenauge!

Prachtfink: Infantinnenauge! Buchfink: Pagenauge! Hänfling: Zigeunerinnenauge! Spatz: Lausbubenauge!"

Saint-Pol-Roux schreibt über das kommunizierende Dunkel, über Pariser Ziegen und die zwei Schlangen, Tränengießkanne und den Stundenausreißer, über Spontaneitäten, Zärtlichkeiten und die Emanzipation des Wortes - und erfindet liedhafte Litaneien über das Meer. Überhaupt ist seine Dichtung in erster Linie Gesang, Hymnus: auf die Vereinigung aller Sinne. Gelegentlich gibt sich der Dichter auch ganz verspielt und witzig (wenn er etwa die Geschichte einer Kuh erzählt, die eines Morgens in einer Mülltonne geboren wurde, "eines grellen Morgens bei Nordwind, als der Winter im Hemd schlotterte ... geboren aus dem fetten Kuß, den der Auswurf eines Wucherers und die Warze eines alten Notars sich dort gaben")