Das Haar als offene Mähne, Diamantsticker im Ohr, dazu ganz normale Jeans: eine nette 34jährige halt. Doch hinter dem mädchenhaften Lächeln verbirgt sich Ehrgeiz. "Mein Ziel war es immer, irgendwann einen ganz, ganz großen Hebel zu bewegen", sagt Hildegard Sung-Spitzl. Am besten im Topmanagement. Seit Juni vorigen Jahres managt die studierte Physikerin und promovierte Maschinenbauerin ihr eigenes Unternehmen - und ist höchst innovativ auf Plasma-Technologie spezialisiert. Als Wissenschaftler hatte ihr Mann eine spektakuläre Erfindung gemacht. "Die einfach nur zu verkaufen und von den Tantiemen zu leben - das wäre mir zu langweilig gewesen", sagt die Karrierefrau.

Hildegard Sung-Spitzls Gründung ist eine von 531 000 Firmen, die 1997 in Deutschland an den Start gingen. Zieht man die 441 000 Geschäftsaufgaben ab, so bleibt immerhin ein Plus von 90 000 zusätzlichen Unternehmen. "Deutschland ist auf dem besten Weg, wieder ein Gründerland zu werden", erklärt Eckart von Reden, Vorstandssprecher der Deutschen Ausgleichsbank. Besonders die alten Bundesländer befänden sich "regelrecht im Gründungsfieber".

Insgesamt sagte die bundeseigene Bank im ersten Halbjahr 1998 Existenzgründern und Jungunternehmern 35 000 Darlehen im Wert von 4,8 Milliarden Mark zu, 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Sehr zur Freude der Politik, die den Boom mit einer Fülle von Förderprogrammen entfachte - und mit lauten Werbetrommeln. Jetzt startete Forschungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) erneut eine große Förderinitiative. Und am Wochenende lädt Berlin zu den 1. Deutschen Existenzgründertagen. Dort stellen sich unter anderem 16 erfolgreiche Jungunternehmer in einer Sonderschau vor. Das Motto: "Messe der Helden". Existenzgründer, so die Hoffnung quer durch alle Parteien, könnten Deutschlands Wirtschaft nicht nur innovatives Potential zuführen und sie fit fürs nächste Jahrtausend machen. Sie könnten zudem helfen, die Arbeitslosigkeit zu senken: Im Schnitt schafft jeder Gründer vier neue Jobs, junge High-Tech-Unternehmen bringen es gar auf zwölf binnen fünf Jahren. "Die Zukunft baut auf Gründer", verkündet Rüttgers deshalb.

Ein bescheidener Flachbau aus Beton, versteckt unter hohen Kiefern: Gerade mal 160 Quadratmeter beansprucht Hildegard Sung-Spitzls Firma iplas auf dem Gelände der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt bei Bonn. "Wir finden hier viel Unterstützung", sagt die Jungunternehmerin.

Nicht nur beim Forschungszentrum selbst, auch bei den anderen hochspezialisierten Firmen, die sich dort niedergelassen haben. Mal gibt man sich bei wissenschaftlichen Problemen einen Tip, mal greift man sich bei der Formulierung eines Liefervertrags unter die Arme. Ein weiterer Vorteil des eingezäunten und bewachten Standorts: "Wir sind hier gut abgeschirmt. Das kann von großer Bedeutung sein, wenn patentrechtlich wichtige Dinge laufen."

Iplas hat seine drei Erfindungen weltweit in allen wichtigen Ländern zum Patent eingereicht.

So wie feste Stoffe bei Erhitzung flüssig und schließlich zu Gas werden, so entstehen als vierte Stufe Plasmen. Ein Stoff, der umweltschädliche Substanzen in Gasen zersetzen oder Wolle vorm Verfilzen schützen kann