Kultur im Fernsehen? Schöne Sache eigentlich. Wenn nicht die vielen Bilder wären. Dieses ständige Geflacker, die vielen Montagen aus Tönen, Köpfen, Worten. Als wäre das Bild nicht Bild genug, wird es durch die Animationsmaschinen der Schnittplätze gequält. Bis sich alles bewegt, nur im Kopf des Zuschauers setzt's aus: Kultur total verflüssigt, und nichts bleibt.

Da dachte der WDR, es würde wohl keiner merken: daß in seinem "Kulturweltspiegel" am vorigen Sonntag unser Herr Smerling auftauchte, wieder einmal in bewährter Doppelrolle (ZEIT Nr. 36/98). Diesmal gab er zum einen den Autor eines Beitrags über eine Ausstellung, die in Berlin "Die Macht des Alters" etablieren möchte. Und zum anderen spielte er den Mitveranstalter ebendieser Ausstellung - in seiner Funktion als geschäftsführender Vorstand des Bonner Vereins für Kunst und Kultur e.V. Zunächst firmierte er sogar als Kurator der Schau, trat dann aber zurück: Es fehlte die Zeit. Irgendwann muß man ja schließlich auch seine Filmchen machen. Liebe Zuschauer, wundern Sie sich also nicht: Wenn der WDR demnächst auch Beiträge eines gewissen Herrn Hanser oder einer gewissen Frau Siedler über die jüngsten glänzenden Bücher ihres Verlages sendet, dann bleiben Sie dran. Tut gar nicht weh, ist schnell vorbeigeflimmert. Ist nur Kultur im Fernsehen.