Ein früherer Bundesaußenminister macht sich als Aushängeschild immer gut: Ab Oktober wird Hans-Dietrich Genscher Chef des Aufsichtsrats der Hamburger WMP AG. Die im Juli gegründete Unternehmensberatung hat sich zum Ziel gesetzt, Wirtschaft, Medien und Politik miteinander zu vernetzen. "Die WMP AG betritt Neuland", sagt Genscher, "das sehe ich als spannende Herausforderung." Seine internationalen Kontakte wird er bei der neuen Tätigkeit einbringen können.

Genscher habe hochentwickelte Sensoren für herannahende Krisen, beschreibt Vorstandssprecher Hans-Erich Bilges die besonderen Fähigkeiten seines zukünftigen Aufsichtsratschefs. Und wenn sich zum Beispiel ein ostdeutscher Arbeitgeber-Verband über die Investitionsmöglichkeiten im EU-Raum erkundigen möchte, dann könne er sicher die Tür zu hochkarätigen Politikern in Brüssel und ausländischen Unternehmen öffnen. Im Aufsichtsrat der neu gegründeten Gesellschaft ist Genscher nicht der einzige Prominente. Dort sitzt unter anderen auch Unternehmensberater Roland Berger. Und in Fragen der Finanzpolitik und Wirtschaftsbeziehungen berät Karl Otto Pöhl, ehemaliger Bundesbankpräsident.

"Wir möchten Fenster öffnen und endlich frischen Wind hereinlassen", sagt Vorstandssprecher Bilges. Zu viele deutsche Unternehmen handelten immer noch nach dem Motto "Schweigen, abwarten und vertuschen". Sie stünden oft wie ertappt da, weil sie nicht frühzeitig die Öffentlichkeit informierten. Dabei sollten Unternehmen so gläsern auftreten, wie ihre Fassaden heute sind.

"Rechtzeitig Handlungsbedarf erkennen, bevor die Probleme gravierend werden", formuliert Karl Otto Pöhl das hochgesteckte Ziel. Zur Zeit sucht die WMP nach Geschäftsräumen für eine Filiale in Berlin, wo auch Hans-Dietrich Genscher sein Büro einrichten will.