Der Aufsichtsrat des Internationalen Währungsfonds trifft sich viermal in der Woche. Dann besprechen die 24 Direktoren, allesamt honorige Regierungsvertreter, die Finanzprobleme dieser Welt. Am Montag diskutierten sie über die Europäische Währungsunion. Am Mittwoch sprachen sie über Deutschland, am Donnerstag stehen turnusmäßige Diskussionen über Uruguay und Estland auf der Tagesordnung, am Freitag dann Usbekistan und Mexiko. Und die Krise der Finanzmärkte?

"Die Tagesordnung im Board erdrückt uns", stöhnt ein junger Mitarbeiter des IWF und murmelt etwas von der Routine einer Behörde. Tatsächlich ist der Währungsfonds, der von 181 Ländern getragen wird, deren Finanzpolitik überwachen und in Krisenfällen mit Krediten aushelfen soll, letztlich nur eine Art Superbehörde mit festen Regeln, die den Alltag bestimmen. So haben alle 181 Mitgliedsländer beispielsweise - Währungsturbulenzen hin oder her - ein Recht darauf, daß ihr Land turnusmäßig von einem IWF-Team inspiziert wird. Und die Ergebnisse müssen dann ebenso turnusmäßig im Aufsichtsrat diskutiert werden.

Am Freitag zuvor, die russische Wirtschaftskrise schien nach der Abwertung des Rubel immer bedrohlicher, da hatte tatsächlich auch Rußland - außerplanmäßig - auf der Tagesordnung gestanden. IWF-Chef Michel Camdessus, eben von einer Reise aus der Krisenregion zurückgekehrt, berichtete dem Aufsichtsrat. "Die Situation ist so prekär, daß eine konzentrierte Aktion der russischen Regierung gefordert ist, damit wir im September unseren nächsten Kredit auszahlen können", bekam im Anschluß die Presse vom Direktor zu hören, und die verteilte die Information flugs in alle Welt. Im Klartext: Der IWF finanziert Rußland nur dann weiter, wenn die Regierung ihre Haushaltsprobleme in den Griff bekommt und die Industrie weiter privatisiert.

An das baldige Happy-End für den Fonds, Rußland und die Weltwirtschaft glauben immer weniger Experten. "Die Krise wird noch schlimmer", sagt Fred Bergsten, Chef des renommierten Institute for International Economics. Und eine wachsende Zahl seiner Kollegen teilt die Sorge, daß vielleicht schon bald die nächsten Länder in Finanzproblemen stecken. Häufig fallen dabei lateinamerikanische Namen.

Das Dilemma des IWF ist offensichtlich: Zwar ist der Fonds zur Hilfe gegenüber seinen Mitgliedsländern verpflichtet. Gleichzeitig jedoch schlittert die Institution langsam auf einen finanziellen Engpaß zu und kann nicht unbegrenzt weiteren Ländern mit Milliardenpaketen aus Finanzkrisen helfen. Zudem wächst weltweit die Kritik an den teuren Bailout-Programmen.

"Wenn der IWF für jede Kritik einen Dollar bekommen würde, dann brauchte er bei seinen Anteilseignern nie wieder um Geld zu bitten", sagt der Harvard-Ökonom Devesh Kapur, und doch stimmt auch er in die Vorwürfe ein: Die Lasten der Hilfsprogramme seien oft ungleich verteilt. Viel zu oft nutzten private Gläubiger die öffentlichen Milliarden, die Schuldnerländer hingegen ächzten unter den schweren Lasten der Kredite.

Wie aber läßt sich das Zusammenbrechen weiterer Staaten und damit auch eine globale Krise der Finanzmärkte ohne neue Hilfspakete vermeiden? Seit Monaten schon kursieren im und um den IWF die Empfehlungen für eine neue, krisensichere "Architektur der Finanzmärkte". Ins Spiel gebracht von US-Finanzminister Robert Rubin ist der Begriff längst das Synonym für allerlei Ideen, mit denen die Finanzwelt künftig in geordnete Bahnen gelenkt werden soll.