Zwei Jahre Ferien, davon träumt jedes Kind. Ingrid H. hat ihrem Sohn Christoph diesen Traum erfüllt und ihn über diesen Zeitraum vor jeder schulischen Zuwendung bewahrt. Dafür steht die 39jährige Fremdsprachenkorrespondentin nun vor dem Hamburger Amtsgericht. Ein oder gar zwei Sabbatjahre für Elfjährige kennt das Hamburger Schulgesetz nämlich nicht.

Die Grundschule besuchte Christoph noch regelmäßig, dann aber meldete Frau H.

ihren Sohn auf dem Gymnasium Alstertal an, obwohl sie weit entfernt im Stadtteil Barmbek wohnte. Sie habe damals ins Alstertal umziehen wollen, erklärt sie souverän, leider habe sich die Absicht zerschlagen.

Sie gibt zu, daß Christophs Schulbesuch etwas "unregelmäßig" geworden sei. Um genau zu sein: Die neue Schule besuchte Christoph bis zu den Herbstferien 1996, danach ließ er sich dort nicht mehr blicken. Jeden Morgen habe sie Christoph aus dem Haus geschickt und sei dann zur Arbeit gegangen, sagt die alleinstehende Frau. Vermutlich sei dem Jungen der Schulweg zu lang gewesen.

Auf das Verschwinden ihres Zöglings reagierte die Schule zunächst mit Gesprächen. Direktor Norbert R. sagt, noch nie habe er sich so viel mit jemandem beraten und doch so wenig Erfolg gehabt. "Frau H. hat immer alles angenommen, glaubhaft Besserung versprochen, aber geschehen ist gar nichts."

Als letzten Ausweg hatte der Direktor angeboten, den Knaben persönlich zur Schule zu chauffieren, das ist ihm aber von der Schulbehörde untersagt worden.

Die Behörde verhängte Zwangsgelder gegen Frau H., die sich in rascher Folge von 300 Mark auf 2400 Mark steigerten. Frau H. zahlte kommentarlos zumindest einen Teil des eingeforderten Geldes und schickte Christoph trotzdem nicht zur Schule. Schließlich wurde der Junge zwangsweise auf ein anderes Gymnasium umgemeldet, aber dort hat man ihn nie gesehen. Frau H. schrieb unterdessen reihenweise Entschuldigungen, selbst Auswanderungspläne führte sie ins Feld.