Die Frau lehnte am Eingang der Bäckerei. Sie trug einen dunklen, glockigen Rock und eine weiße Hemdbluse. Neben ihr lehnte eine zweite Frau, die beiden schwiegen. Es hätte mich mißtrauisch machen müssen. In der Hamburger City steht niemand einfach so rum, schon gar nicht abends kurz vor sieben

Frauen, die nur so rumstehen, stehen eher in St. Pauli oder um die Ecke vom Schauspielhaus und tragen jedenfalls keine langen Röcke. Ein Sonnenblumen, Mohnbrötchen für die Kleinen, Bus um sieben Uhr sieben, murmelte ich und stellte mich an. Acht vor mir.

Als ich mich zum Eingang drehte, waren die Frauen weg. Sie standen jetzt direkt hinter mir. In der Schlange. Innerhalb von Sekunden hatten sich hinter mir zehn, vierzehn Menschen angestellt.

Die Schlange wuchs mit jedem Herzschlag. Am Tresen vorbei, die zwei Stufen hinunter, sie schoß auf den Bürgersteig hinaus, mit einem leichten Knick war sie an der Bordsteinkante, schon züngelte sie nach rechts oben Richtung Mönckebergstraße. In mir stieg Panik auf. Ich suchte die Augen der Verkäuferin, aber die reckte nur ihr hübsches Kinn nach oben.

"Jetzt alles für die Hälfte!" rief sie.

Hinter ihr hing ein Plakat an der Wand. "Happy Hour", stand da, "1 Stunde vor Ladenschluß alle Backwaren zum 1/2 Preis". Die Stunde des Glücks!

Es ist keine Neuigkeit, daß mein Bäcker altes Brot für halbes Geld abgibt. Im "Backhus" standen Müslistangen, kompakte Junggesellenlaibe oder klebrige Schnecken vom Vortag bisher auf einem Wagen rechts vom Tresen. Die ließ man mitgehen, wenn man morgens ein Brötchen zum zweiten Frühstück kaufte. "Ach ja, noch das kleine Hafer", sagte man so leicht. Na, damit ist jetzt aber Schluß. Wer hier noch was billiger haben will, der muß sich schon drum balgen. Öffentlich!