Im Spirituosenladen des Wiener Bahnhofs packt Cornelia Froboess Reiseproviant in den Einkaufswagen. "Wie sind Sie zufrieden mit dem Wiener Publikum?" fragt sie der Mann an der Kasse. Als sie antwortet, das Publikum sei wunderbar, da strahlt der Mann. Auch wenn er die Schauspielerin nicht auf der Bühne gesehen hat, weiß er, daß sie im Akademietheater spielt. Diese Aufmerksamkeit sei in Deutschland undenkbar, meint Cornelia Froboess.

Später, im Zug nach München, erzählt sie eine zweite Geschichte aus der Stadt, in der die Menschen "ihr" Theater lieben. Als junge Schauspielerin hatte sie ein Jahr lang ein Engagement am Burgtheater. Nach den Proben sei sie gerne ins "Café Landmann" gegangen, das dem Burgtheater gegenüberliegt.

Fünfzehn Jahre später, während eines Wien-Besuchs, geht sie wieder einmal ins "Café Landmann". Der Oberkellner kommt: "Grüß Gott, gnä' Frau, gut schaun S' aus - wie immer?" Da hat Cornelia Froboess verwirrt genickt, natürlich Backhendl mit Gurkensalat, wie immer vor fünfzehn Jahren.

Sie liebt Kaffeehäuser. Dort zu sitzen und Menschen zu beobachten, "davon lebe ich, davon leben meine Figuren". Sooft sie kann, sucht sie diese Volks-Bühne auf, zur Zeit wieder in Wien, wo sie am Akademietheater spielt.

Sie wohnt im Elternhaus ihres Mannes und fährt zur Vorstellung mit der Straßenbahn. Auch da kann sie Menschen studieren. Dabei, sagt sie, mißtraue sie dem ersten Eindruck, dem schnellen Urteil. Nichts sei eindeutig, im Leben wie in der Kunst. Auch die Erkundung von Bühnenfiguren erlebe sie so, taste sich von der Oberfläche ins Innere vor.

Zum Beispiel bei jener Phyllis Hogan, die sie jetzt am Akademietheater in Nick Silvers Farce "Fette Männer im Rock" spielt. Sie hätte diese Frau im schrecklich gelben Kostüm, mit diesem riesigen gelb-schwarzen Plastikhut auf roter Perücke ganz schrill spielen können. Aber es gelingt ihr, auch die Verzweiflung einer verletzten Frau, ihre Sehnsucht nach Liebe sichtbar und damit die Figur interessant zu machen.

Wenn sie auftritt, auf der Bühne, im Fernsehen, ganz gleich, in welcher Rolle, hat man unwillkürlich diese schnodderigen, etwas vorlauten Töne "aus dem Volk" im Ohr - ein bißchen ungehorsam, trotzig, frech -, die einem in den eigenen braven fünfziger Jahren "die Conny" so sympathisch machten. Mit sieben begann die steile Karriere der Tochter des Berliner Musikverlegers und Komponisten Gerhard Froboess. "Pack die Badehose ein" sang die Göre Vaters Lied mit durchdringender Stimme, bat singend den lieben Gott, die Sonne wieder scheinen zu lassen. Und "wenn die Conny mit dem Peter" (so der Titel eines Films mit Peter Kraus) über die Leinwand tollte, standen die Teenager an den Kinokassen Schlange. Conny lachte, flirtete (mit Filmpartnern, die meistens Peter hießen: P. Kraus, P. Alexander, P. Vogel, P. Weck), saß mit Pettycoat unterm Sommerrock auf dem Kühler flotter Autos - ein Kinderstar.