Die Darwin-Finken von Galapagos gelten als das Paradebeispiel der Evolutionstheorie. Auf den isolierten Inseln haben sich im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Finken entwickelt. In der modernen Stadtwelt braucht es zur Isolation weder Inseln noch Berge. Eine U-Bahn als biologisches Labor genügt. So läßt sich eine Entdeckung britischer Wissenschaftler deuten. Beim Bau der Tube vor rund hundert Jahren hat sich in London eine neue Mückenart entwickelt. Ursprünglich zapften die Blutsauger namens Culex pipiens nur Vögel an. Ihre Untergrundnachkommen haben sich auf Mäuse, Ratten und U-Bahn-Fahrer spezialisiert. Das Mückenvolk läßt sich schon heute genetisch nach verschiedenen Linien unterscheiden - Bahnlinien, wohlgemerkt. Und die Evolution ist noch in vollem Gange: In weiteren hundert Jahren werden sich vermutlich einige Arten auf Berufspendler spezialisiert haben, andere saugen bevorzugt an Schulkindern. In den Lehrbüchern werden die U-Bahn-Mücken längst die Darwin-Finken verdrängt haben.