Die Traurigkeit wird eingehen wie ein alter Hund. Du wirst nur noch Gleichgültigkeit empfinden. Das träge Wimmern einer Cowboy-Mundharmonika, traurig, müde, es wird langsam in die Berge entschwinden wie Hank Williams.

Irgend so ein Ende." Schreibt die amerikanische Schriftstellerin Lorrie Moore in ihrer Erzählung "Wie" aus der Sammlung "Leben ist Glückssache".

Hank Williams ist zur Metapher geworden, wie Kafka, wie Beckett, man muß ihn nicht gehört haben, um zu ahnen, wie traurig er klingt. O ja, "I'm So Lonesome I Could Cry" oder "Your Cheatin' Heart", darin schimmert die verführerische Welt der Schmerzensmänner und einsamen Wölfe, der Betrogenen und Alkoholiker. Kein Wunder, daß man sich wohlig deprimieren und verführen läßt, daß Nick Cave und Roy Orbison, Willie Nelson und Townes Van Zandt zu seinen Schuldnern zählen.

Mag da mancher leise aufstöhnen und die nächste Version eines Country-&-Western-Revivals wittern, Hank Williams ist über jeden Verdacht erhaben: Er ist der Archetyp des späteren, tragischen Rock-'n'-Roll-Helden, die Blaupause für alle, die jung starben, um in der Erinnerung alt zu werden.

Am 17. September wäre er 75 geworden, vor 45 Jahren beerdigte man ihn, die knapp dreißig Jahre seines Lebens reichten für zehn unsterbliche Lieder, er hat sie - Zeile um Zeile - abgelebt.

Die Geschichte muß sein: Als er 1952, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, wieder einmal sturzbetrunken auf der Bühne steht, fragt er sein Publikum: "Ihr habt alle bezahlt, um den alten Hank zu sehen, nicht wahr?"

Die Leute toben, Hank legt seine Gitarre hin, sagt: "Nun habt ihr ihn gesehen" und verläßt die Bühne. Das ist mehr als Provokation oder Punk, das ist die arrogante Hilflosigkeit eines Mannes, den selbst seine Musik im Stich läßt.