Wäre das Investitionsklima in Deutschland mit dem in den USA vergleichbar, wären seit 1980 netto sieben Millionen qualifizierte Arbeitsplätze im Dienstleistungs- und Informationssektor entstanden, schätzt Professor Dennis Tsichritzis. Der Vorsitzende der Geschäftsführung beim GMD-Forschungszentrum Informationstechnik hat in einem Gutachten für die Friedrich-Ebert-Stiftung den Standort Deutschland unter die Lupe genommen. Damit sich das Klima hierzulande ändert, schlägt der Wissenschaftler ein Bündel von Maßnahmen vor.

Die wichtigste: eine Mobilisierung von Human- und Risikokapital zur Gründung neuer innovativer Unternehmen. Deutsche Banker hätten bisher sträflich versäumt, bei der Bewertung von Existenzgründungen das vorhandene Humankapital als entscheidenden Aktivposten zu betrachten und in die Prüfung der Kreditwürdigkeit einzubeziehen. "Die Banken finanzieren zwar, wenn jemand mit den 20 besten Fußballern kommt", bringt Tsichritzis seine Kritik auf den Punkt, "wer aber die 20 besten Software-Leute bietet, bekommt keinen Pfennig." In die gleiche Kerbe schlug Edelgard Bulmahn, forschungspolitische Sprecherin der SPD und Mitglied im Team von Kanzlerkandidat Gerhard Schröder, die das Gutachten vorstellte: "Unsere Banken denken zu eindimensional."