He delivers, er liefert ab, sagt man drüben am Pazifik von einem Regisseur (oder einem Film), der genau das auf die Leinwand bringt, was das Publikum und die Machthaber in den Studios von ihm verlangen. Nichts anderes wollte Roland Emmerich mit Godzilla tun, und nichts anderes als das zeichnet seinen Film auch aus: daß er ganz pedantisch seine Pflicht erfüllt; daß er eine satte Portion digitales Monsterfleisch auffährt, hier und da mit ein paar analogen Menschlein garniert, und von dieser graugrünen kinematischen Masse das bereits in Independence Day arg geschändete New York sach- und krachgerecht zerlegen läßt, 140 Minuten lang.

Emmerich liefert ab, und seine Lieferung ist trostlos. Auch diesmal gibt es, wie in den anderen Emmerich-Epen, kein wirklich neues Motiv, kein glänzendes oder gewagtes Bild; aber daran liegt es nicht. Es liegt am Thema. Denn Godzilla ist weder Virus noch Maschine, weder Alien noch Robotermensch, sondern ein Geschöpf. Ein Tier. Ein Schreckliches zwar. Aber selbst der gottfernsten Kreatur, von King Kong und dem Monster der schwarzen Lagune bis zu ebenjenem gojira, mit dem Japan in den fünfziger Jahren den Schrecken von Hiroshima beschwor, haftet im Kino immer noch ein Rest Rührung an, und nicht zu Unrecht. Es ist ja nicht die siegreiche Natur, die als Ungeheuer aufwacht und mordet, sondern die unterdrückte. Die Saurier, die bei Crichton und Spielberg im Jurassic Park wüten, entstammen nicht der Wildnis, sondern der Fabrik. Um ins Freie zu gelangen, müssen sie die Renditen der Park-Aktionäre zertrampeln. In der Revolte wird das Produkt zum Produzenten: Es treibt Brutpflege statt Kapitalvermehrung. Deshalb verstehen sich Frauen so gut auf Monster und Monster so gut auf Frauen. Und deshalb landen die Unholde am Ende auch nicht im Ofen, sondern, zu Gnomen aus Plastik eingedampft, im Kinderzimmer, wo sie zwischen Puppen und PCs der Einübung ins Familienleben dienen.

In Amerika haben die Kritiker über "the Spielbergle" gehöhnt, und ein Erfolg wie Independence Day ist Godzilla nicht geworden. Dennoch hat auch dieser Film sein Geld längst eingespielt, genauso wie Armageddon oder Deep Impact, schwachsinnigen Angedenkens. Das ist traurig genug. Denn es ist wenig Lust am Untergang in diesen Kino-Katastrophen, dafür viel sauertöpfisches Kaputtmachen und mechanisches Abfackeln. In Armageddon büßt ausgerechnet Paris dafür, daß der Meteor es ernst meint mit der sündigen Erde, und New York wird durch Godzilla nun schon zum dritten Mal in diesem Sommer vernichtet. Später einmal wird man an den Zerstörungsorgien Hollywoods noch besser den grenzenlosen Überdruß ablesen können, von dem die Bildwelt der ausgehenden neunziger Jahre erfüllt ist. Bis dahin bleibt als Abdruck der Qualen des Jahrhundertendes vor allem ein Geräusch im Ohr: jenes tiefe, grollende Donnergrunzen, das bei Emmerich wie anderswo von der Leinwand in den Kinosaal schwappt, wann immer Unheil im Verzug ist. Als wäre die ganze Welt eine Blähung, die in der Explosion entweicht. So wird geliefert, was wir bestellt haben: heiße Luft. Jetzt aber schnell ein Fenster geöffnet!