Das gefährlichste Raubtier im Dschungel globaler Medienkonzerne will erneut zuschlagen, überraschend, ohne Vorwarnung. Und die Rivalen hecheln wieder einmal hinterher. Rupert Murdoch greift nach dem kostbarsten Stück des britischen Fußballs, nach Manchester United. Kein Club ist so populär, reich und profitabel. Manchester United ist die ideale Ergänzung zu Murdochs globalem Portfolio. Der Preis von 1,65 Milliarden Mark für einen Fußballverein erscheint exorbitant. Experten in der Londoner City aber sind davon überzeugt, daß es sich um ein Schnäppchen handelt. Sie halten eine Summe von 2,2 Milliarden Mark für angemessen. Gut möglich, daß Murdoch, getrieben von der neidischen Konkurrenz, noch drauflegen muß, bevor er den endgültigen Zuschlag erhält.

Sein neuester Beutezug ist von zwingender Logik. Im Kampf der Mediengiganten wird sich auf Dauer nur durchsetzen, wer die richtige Software besitzt. Fernsehrechte für sportliche Großereignisse, allen voran Fußball, sind längst zur entscheidenden Waffe im Kampf um nationale und internationale Dominanz geworden. Der Australier hat diesen Trend früher als andere erkannt. Keine Kosten scheuend, kaufte er in den 90er Jahren weltweit Sportrechte auf, um sie als Rammbock gegen öffentlich-rechtliche und kommerzielle Konkurrenten einzusetzen. Ohne Sport können populäre Massenprogramme nicht auskommen. Wer ihn nicht anbieten kann, verliert auf Dauer den Zugang zum Massenpublikum. Die digitale Fernsehrevolution hat das Problem noch verschärft. Um das Publikum zu locken, müssen Hunderte neuer Kanäle mit attraktiven Programmen aufwarten. Und weil die Preise für Fernsehrechte explodierten, macht es Sinn, sich die Besitzer der Rechte, die Vereine selbst, anzueignen.

Wie immer, wenn Murdoch zuschlägt, ist die Aufregung groß: die Anhänger des Clubs grollen; die Presse, die nicht von dem Australier dirigiert wird, stößt düstere Warnungen aus. Jetzt steckt die Regierung Blair in der Zwickmühle. Sie will es sich nicht verderben mit dem Herrscher über einflußreiche Zeitungen. Andererseits muß sie den Eindruck der Liebedienerei vermeiden. Peter Mandelson, Intimus von Premier Tony Blair und Minister für Handel und Industrie, läßt die Wettbewerbshüter des OFT (Office for FairTrade) den Deal prüfen. Am Ende aber muß er entscheiden.

Doch es steht mehr auf dem Spiel als nur die Frage, ob Murdoch zu stoppen ist. Fußball hat sich durch den Pakt mit dem Fernsehen binnen weniger Jahre in Big Business verwandelt. Nun werden Marktprinzipien und Shareholder value einem Sport aufgepfropft, dessen Regeln und Organisationsformen reinen Marktprinzipien widersprechen. Bislang noch ist Fußball so organisiert, daß die dem Markt innewohnende Tendenz zur Konzentration gebremst wird. Mit dem Widerspruch zwischen unterschiedlicher Finanzkraft und Selbstregulierung vermochte der Sport eine Zeitlang zu leben. Die meisten Besitzer waren sentimentale Mäzene oder Unternehmer, die sich mit dem Kauf "ihres" Clubs einen Kindheitstraum erfüllten. In der schönen neuen Welt des Fußballs gelten andere Gesetze.

Murdoch ist der Prototyp des neuen Club-Chefs - unsentimental, immer auf der Suche nach Profitmaximierung. Wenn Vereine zu reich und mächtig werden, mag das die Aktionäre freuen. Doch die Grundlage des Sports selbst droht dabei zerstört zu werden. Die Popularität des Fußballs beruht auf Wettbewerb und Unberechenbarkeit, die kommerziell geführte Unternehmen ausschalten möchten. Nur eine entschlossene Regulierung der neuen, globalen Wachstumsindustrie kann verhindern, daß die Fußballrevolution ihre eigenen Kinder frißt.