Beispiel politischer Konsens: Das größte Hindernis für ein erfolgreiches Currency Board in Rußland ist der fehlende Konsens in der politischen Elite des Landes. Man stelle sich vor: Die kommunistisch-nationalistisch dominierte Staatsduma soll für ein Währungsregime stimmen, das seinen Ursprung in britischen Kolonien des 19. Jahrhunderts findet und die Invasion ausländischer Geschäftsbanken voraussetzt. Ohne gesetzliche Verankerung - möglicherweise sogar in der Verfassung - ist ein Currency Board jedoch sinnlos. Denn beim kleinsten externen Schock wie beispielsweise der Verfall der Ölpreise würde die verantwortliche Regierung die Notbremse ziehen und das Currency Board wieder abschaffen.

Das Resümee ist somit vernichtend: Zwar ist theoretisch das Currency Board wohl der einzige Weg, um Rußland vor andauernder Hochinflation zu bewahren. Doch in der russischen Praxis hat der hehre Plan kaum eine Chance. Die Frage ist, wie arm die Menschen in Rußland noch werden müssen, damit eines Tages ähnlich wie in Argentinien 1991 ein politischer Konsens für eine durchdachte Reformpolitik entstehen kann. Oder wird das russische Volk hinnehmen, daß das Land zu einer typischen Dritte-Welt-Wirtschaft, zum Nigeria des Nordens verkommt?

Nach fast anderthalb Stunden im stickigen Raum wendet sich ein russischer Journalist an den ehemaligen argentinischen Wirtschaftsminister: "Eine banale Frage, Dr. Cavallo. Meinen Sie, wir können unsere Probleme lösen?" Der Argentinier, der so bestimmend und selbstsicher in die Kameras guckt, findet auch diesmal die richtigen Worte. "Ich bin mir sicher, daß Rußland ein blühendes Land wird", sagte der 52jährige Professor. "Ich weiß nur nicht, wann."