Ein mutiger Versuch, ein unpopuläres Thema doch noch voranzubringen: Unternehmen, Umweltverbände, Wirtschaftsprofessoren und Gewerkschaften haben sich Anfang der Woche für die Ökosteuer ausgesprochen, weil sie den Arbeitsmarkt und die Umwelt entlaste. In letzter Minute versuchen sie damit, den Gegnern einer ökologischen Steuerreform, wie BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel, die Initiative zu entreißen.

Die Phalanx, die Henkel um sich geschart hat, argumentiert schizophren, aber erfolgreich. Wenn es um die Zukunft des Standortes Bundesrepublik geht, sehen sie das Heil in innovativen Branchen, von der Informations- bis zur Biotechnologie. Im Abwehrkampf gegen die Ökosteuer aber reden sie, als hinge die Republik von energiefressenden Altindustrien wie Chlorchemie und Aluminiumschmelze ab. Nicht der Aufbruch in die Wissensgesellschaft, sondern die Rückkehr zum Hochofen scheint den Granden der Verbände dann als Perspektive vorzuschweben.

Die Erklärung pro Ökosteuer kommt deshalb keinen Augenblick zu früh. Die Unternehmen, die an einer finanziellen Entlastung der Arbeit interessiert sind, müssen ihren Standpunkt jetzt deutlich machen, damit die mögliche neue Regierung nicht den falschen Start erwischt. Auf der Unterzeichnerliste stehen längst nicht alle, die sich für die ökologische Steuerreform einsetzen. Es fehlt beispielsweise der Bundesverband Junger Unternehmer. Seit Jahren kämpft der BJU für einen Umbau des Steuersystems, bei dem eine Energiesteuer eingeführt, die Sozialabgaben sowie Lohn- und Einkommensteuer aber gesenkt werden. Manch einer will sich in Wahlkampfzeiten vornehm zurückhalten - und findet sich nachher im Reformstau wieder. Denn das Klima für oder gegen Reformen wird jetzt geschaffen.