Mobile Kommunikationstechnik ist grenzenlos praktisch - und uferlos teuer. Das merkt spätestens beim Erhalt der gesalzenen Rechnung jeder, der sein Handy auf Auslandsreisen mitnimmt. Die meisten Mobilfonbesitzer sind wohl schon einmal in diese Gebührenfalle getappt - die Feuertaufe des reisenden Handynutzers.

International Roaming, herumwandern, nennt die Branche die Möglichkeit, in mittlerweile mehr als 70 Ländern der Erde mit einem D-Netz-Handy zu telefonieren. Es funktioniert denkbar einfach. Wenn der Kartenvertrag diese Zusatzfunktion erlaubt, loggt sich das Handy automatisch ins ausländische Netz ein. Das deutsche Netz weiß, wo sich der Nutzer aufhält, und leitet alle Gespräche automatisch weiter.

Calling Cards sind eine kostengünstige Alternative

Was viele nicht wissen: Auch wer im Ausland angerufen wird, löhnt kräftig mit. Telefonate jenseits der Landesgrenzen lassen sich die Netzbetreiber D1, D2 und eplus und die sogenannten Provider wie Dplus, Debitel oder Mobilcom gut bezahlen. Ankommende Telefonate kosten beispielsweise D1-Kunden in Europa tagsüber 1,30 Mark pro Minute. Hinzu kommen noch die Auslandsaufschläge der Provider, bei D2 beispielsweise 25 Prozent.

Selbst wenn das Handy im Ausland ausgeschaltet bleibt, rattert zu Hause der Gebührenzähler. Das System prüft dann, ob das Handy erreichbar ist, und leitet den Anruf in die Mailbox. Für diesen Weg vom Handy auf den elektronischen Anrufbeantworter zahlt der Angerufene.

Die hohen Kosten bei Auslandstelefonaten kann umgehen, wer sein Handy von vornherein auf die Mailbox umschaltet. Wichtige Nachrichten können so trotzdem abgehört werden. Wenig spart, wer einen preiswerteren ausländischen Netzbetreiber nimmt. Denn in vielen Ländern konkurrieren ähnlich wie in Deutschland mehrere Netzgesellschaften um die Mobilfunkkunden. Das Handy wählt automatisch den jeweiligen Partner der deutschen Gesellschaft, das muß längst nicht der billigste sein. Über die Funktion "Manuelle Netzwahl" können telefonierende Reisende aber problemlos zu einem anderen Betreiber wechseln. Die Preise der ausländischen Roaming-Gesellschaften finden sich in den Broschüren und auf den Internet-Seiten der deutschen Anbieter. Groß sind die Preisunterschiede allerdings nicht, denn in vielen Ländern scheinen sich die Netzbetreiber auf einen einheitlichen Tarif geeinigt zu haben.

Effektiver und wesentlich kostengünstiger sind die sogenannten Calling Cards und Callback-Verfahren, die von den Telefongesellschaften angeboten werden. Beide Systeme, mit denen bisher schon horrende Telefongebühren in Hotels reduziert werden konnten, funktionieren auch mit dem Handy. Bei der Calling Card wählt man eine gebührenfreie Nummer im Ausland, gibt die Kartennummer und die Geheimzahl ein und kann nun telefonieren, bis der Akku aufgibt. Mit den Gebühren wird je nach verwendeter Calling Card die Kreditkarte oder die heimische Telefonrechnung belastet. Die Tarife unterbieten die Handygebühren deutlich: In der Türkei kostet die Handyminute nach Deutschland beispielsweise 2,30 Mark, wer die Otelo Card nutzt, zahlt lediglich 1,09 Mark. Einige Calling Cards haben zudem den Vorteil gegenüber Handytarifen, daß sie sekundengenau abrechnen. Ein weiterer Pluspunkt der Plastikkarten: Sie fassen sämtliche Reise-Kommunikationskosten in einer Rechnung zusammen.