Wenn man bedenkt, wie oft Frauen im Leben immer noch den kürzeren ziehen, macht es immer wieder großen Spaß zu sehen, daß sich auch Männer ab und zu in einer schier ausweglosen Situationen wiederfinden. Und das geschieht am häufigsten bei der Auswahl ihrer Garderobe.

Eins ist klar: Keine Frau möchte einen schlampigen, übelriechenden Penner auf sich herumrutschen haben. Selbst Demi Moore nicht mehr. Andererseits gibt es nur wenige Sachen, die eine Frau so runterbringen wie der Anblick eines eitlen Mannes, der vor lauter Schönheit kaum laufen kann. Kerle, zu denen man in einer überfüllten Bar einfach sagen muß: "Wenn du weiter so in den Spiegel starrst, wirst du dich noch selbst schwängern."

Was in England schiefläuft, kommt - wie die meisten Sachen - vom europäischen Kontinent. Wir haben den Faschismus besiegt, die Tollwut abgewehrt, aber unsere Jungs sind millionenfach der furchtbaren europäischen Unsitte des männlichen Narzißmus verfallen.

Mein Schwiegervater erzählte mir, wie er als junger Soldat im Zweiten Weltkrieg mit seinen Kameraden einmal ein paar italienische Soldaten gefangennahm. Fassungslos berichtete er, daß die Gefangenen gut gelaunt und lammfromm waren - solange man ihnen erlaubte, sich mehrmals täglich ihre Haare vor einem Spiegel zu bürsten! Die Haare zu bürsten! Allein der bloße Gedanke daran, daß sich ein Mann die Haare bürsten könnte, reichte damals, um die tapferste Generation von Männern, die die Britischen Inseln jemals hervorbracht hat, zum Lachen zu bringen. Heute geben deren Söhne und Enkel ein Vermögen für Shampoo, Conditioner und Styling-Gel aus. Indem sie den Krieg gewannen, schufen diese Soldaten nicht etwa ein Land für Helden, sondern für Haarkünstler.

Frauen sind immer bereit, das Beste im Mann zu suchen, auch wenn dies der Aufgabe gleichkommt, die Oberfläche des Mars von der Erde aus mit einer Lupe zu erforschen. Sie haben sich redlich bemüht, den neuen Lackaffen als Vorhut der Legionen feminisierter Männer willkommen zu heißen.

Aber schon ein einziger Blick in die Magazine dieser neuen Gestalten - Arena, Esquire, GQ - bringt die traurige, banale Wahrheit ans Licht: Männer, die sich übermäßig um ihr Aussehen kümmern, tun dies nicht etwa, um Frauen von der Last zu befreien, Sexobjekt zu sein, nein, es ist schlicht und ergreifend einfach eine neue Taktik, sich weiblichen Forderungen zu versagen und/oder zu widersetzen, indem sie sich auf ihren eigenen, sicheren, gleichgeschlechtlichen Spielplatz zurückziehen. Es ist also einfach eine andere Möglichkeit, sich selbstgefällig und arrogant zu gebärden.

Die Publikationen, die der Männermode den meisten Platz einräumen, zeigen sich dementsprechend geringschätzend und rückschrittlich gegenüber Frauen. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, daß modebewußte Engländer - nach Ansicht dieser Magazine - dem Vorbild ihrer europäischen Brüder nacheifern. Also den Franzosen, die ihren Frauen erst 1944 das Wahlrecht gaben, und den Italienern, die bei ihrer Mama leben, bis sie heiraten.