Atlanta

Stellen Sie sich ein Land vor, das die Importe so behindert, daß seine Menschen keine Impfstoffe und kein Insulin mehr bekommen können. Und stellen Sie sich vor, daß dieselben Restriktionen auch noch für Lebensmittel, Waschmittel und Papier gelten.

So weit hergeholt sich das auch anhören mag, für viele Entwicklungsländer und einige Industrienationen könnte ein solches Szenario schon Anfang des nächsten Jahres Wirklichkeit werden. Sie werden zu dem Glauben verleitet, genetisch veränderte Organismen, vom Saatgut bis zum Vieh, seien potentielle Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt. Die neuen Importbeschränkungen werden im Rahmen der Konvention über die biologische Vielfalt entwickelt - ein Abkommen, das vor sechs Jahren von 168 Staaten auf dem Umweltgipfel in Rio unterzeichnet wurde. Hauptziel des Vertrages ist es, Pflanzen und Tiere vor der Ausrottung zu bewahren.

Einige der Unterzeichner-Staaten hatten 1996 eine Arbeitsgruppe gebeten, festzustellen, ob genetisch veränderte Organismen die biologische Vielfalt bedrohen. Unter dem Druck von Umweltschützern und ohne entsprechende Daten entschied die Gruppe, daß jeder dieser veränderten Organismen zu einer potentiellen Gefahr für Pflanzen und Tiere werden könnte.

Die Arbeitsgruppe, deren Mitglieder sich hauptsächlich aus Umweltschutzbehörden von mehr als hundert verschiedenen Regierungen zusammensetzen, werden ihre Arbeit wahrscheinlich innerhalb der nächsten sechs Monate beenden und ihre endgültigen Empfehlungen allen Nationen übermitteln, die den Vertrag ratifiziert haben (die Vereinigten Staaten befinden sich nicht darunter). Sollten die Empfehlungen angenommen werden, würden diese Regulierungen schon zu Beginn des nächsten Jahres in eine bindende internationale Übereinkunft einfließen.

Aber die Arbeitsgruppe hat ihr Mandat überschritten. Statt die Übereinkunft auf solche genetischen Veränderungen zu beschränken, die die biologische Vielfalt gefährden könnten, drängen ihre Mitglieder darauf, auch den Handel mit allen genetisch veränderten Organismen und die Produkte, die aus ihnen entstehen, zu regulieren.

Gegner der Gentechnologie wollen Vorzüge nicht sehen