Niemand braucht sie wirklich, aber viele würden sie doch vermissen, die Wahlwerbemittel der Parteien. Rund 130 Millionen Mark geben die Zentralen von CDU/CSU, FDP, SPD, Grünen und PDS für ihren Wahlkampf aus, nicht gerechnet die Aufwendungen der Orts-, Kreis- und Landesverbände. T-Shirts, Broschüren, Plakate, Kugelschreiber, Mouse-Pads, Badelaken - wir haben die nützlichsten und schönsten Artikel für Sie betrachtet. Heute: Der Anti-Atom-Spuckie.

Die Grünen brauchen Werbemittel, die die bunte Vielfalt ihrer Mitglieder und die noch buntere Vielfalt ihrer Wähler ansprechen: Ökolibertäre wie Radikalkulinarische, Realos, Asketen, Studienräte und getarnte Marxistisch-Reichistische.

Der "Spuckie" ist dafür hervorragend geeignet, befriedigt er doch eine Vielzahl von Triebregungen auf das erfreulichste. Die Rückseite des Aufklebers aus garantiert ungespritztem Papier ist mit einer leidlich schmeckenden Gummierung überzogen, die die grünsympathisierende WählerIn genüßlich in ganzer Breite abschlecken kann (wobei wir für das nächste Mal eine Prise - nur eine Prise! - Kardamom empfehlen). Alsdann wird das feuchte Papierstück spontan auf geeignete Träger für die Botschaft des friedlichen Atomausstiegs aufgeklebt, zum Beispiel auf die Außenspiegel fahrradwegzuparkender Autos.

Die Neuformulierung des angestaubten Atomkraft-Nein-Danke-Slogans spricht literarisch interessierte Menschen an (Reim). Außerdem ist sie die bisher geheimgehaltene Endstufe einer radikalen grünen Programmkonzentration, die unlängst von der FAZ aufdeckt wurde: vom Wahlprogramm über das Vierjahresprogramm zum Sofortprogramm zur Position: "Ein Ausstieg aus der Atomkraft wäre prima, irgendwann einmal, falls es der SPD paßt."