RECORDS

Dieser Tage spielte Christian Marclay in der Berliner Akademie der Künste, spielte Schallplatten. Man könnte ihn einen DJ nennen, wäre das, was er macht, nicht so verschieden von dem, was ein DJ macht. Er spricht nicht und singt nicht, und seine Platten animieren niemanden zum Tanz. Statt dessen lotet er das Vergängliche eines Mediums aus, das selber längst der Vergangenheit angehört.

Marclay taucht Schallplatten in Farbe, was ihre akustische und visuelle Qualität verändert. Er bohrt exzentrische Löcher ins Vinyl, was bei jeder Umdrehung zu taumelnden Ausschlägen führt. Er zersägt die Scheiben und setzt aus Hälften oder Vierteln neue zusammen, deren Klebekanten beim Abspielen krachende Rhythmen erzeugen.

Der Höhepunkt seines Berliner Konzerts war gekommen, als er eine CD auf den Plattenspieler legte: Vom Saphir abgetastet, gab sie ätherische Laute von sich.

Marclays gemeinsamer Auftritt mit der Sängerin Shelley Hirsch war organisiert von den Freunden Guter Musik, einem seit fünfzehn Jahren kreglen Verein zu allem entschlossener Hörer, die nichts so sehr verabscheuen wie die Reproduktion des Klischees und deshalb an die Grenzen des Musikalischen vorstoßen, in den Bereich von Performance und bildender Kunst.

Marclay, 43, der in Genf aufwuchs, in Boston Bildhauerei studiert hat und seit langem in New York lebt, ist ein alter Freund der Freunde Guter Musik.

Immer wieder kommt er nach Berlin zu denkwürdigen Aktionen