Was macht man, wenn es einem die Sprache verschlägt und man trotzdem gern was zu sagen hätte? Wer Geld hat, gründet eine Talk-Show, wer keins hat, eine Literaturzeitschrift wie Salbader. Da darf dann jeder seine Worte tun, mal witzelnd, mal mokant. Und ab und an gibt es ein großes Preisausschreiben, einen Essay-Wettbewerb so wie im Heft 22: "Ist Guildo Horn der neue Hitler?"

hieß es da, halb feixend und halb philosophisch. Natürlich erwartete man Antwort und bekam sie, gleich fünfzigfach. Die Texte drucksten herum am Druckbaren, nur nicht schlicht, immer schön kurios. Dabei wollte die Jury doch nur eins hören, nämlich: "Nein". Einen Preis gab es dann aber dennoch, und zwar für Lutz Rathenow, den Schriftsteller, der sich in seinem Aufsatz zur Umkehrthese hochschwang: "Hitler ist Guildo Horn." Ob der neue oder der alte, blieb allerdings ungeklärt, war aber auch nicht so wichtig. Denn Rathenow, sagt die Jury, "ist einfach der berühmteste von denen, die was geschickt haben, und deshalb muß der auch gewinnen". Die Sprache, geschlagen.