Berlin

In ganz Berlin gibt es keine einzige Postkarte mehr vom Sowjetsoldaten im Treptower Park. Deshalb hat der Freundeskreis sowjetischer Ehrenmale einen Fotografen beauftragt. Und so kann er bald wieder in die Welt verschickt werden - der fast zwölf Meter hohe, siebzig Tonnen schwere Bronzesoldat mit dem gesenkten Schwert, dem zerschmetterten Hakenkreuz zu seinen Füßen und dem geretteten deutschen Kind auf dem Arm. Seit fast 50 Jahren steht er da. Sieht mit starrem Blick über die Gräber von fast 5000 gefallenen Rotarmisten, hinüber zur Skulptur der Mutter Heimat und zu den Menschen, die ihn spüren lassen, daß sich die Zeiten geändert haben. Manche bleiben am Eingang des Ehrenhains stehen, zwischen den gesenkten Granitfahnen und den beiden trauernden Rotarmisten, lassen den Blick kurz über das Areal schweifen, setzen die Videokamera an und kehren wieder um. Andere hören Musik, nehmen gar ein Sonnenbad auf den Gräbern oder jagen mit ihren Rollerblades um den Sockel.

Manchmal fragt sich der Soldat vielleicht, wieso er hier immer noch steht, wieso sich das Kind mit dem lockigen Haar noch immer so ängstlich an seine Schulter drückt. Kaum einer nimmt sich mehr die Zeit, ihn richtig anzusehen.

Offenbar fällt es den Deutschen schwer, sich zu erinnern, vor allem, wenn es um eine Niederlage geht. Dabei hatte Helmut Kohl 1994 versprochen, den in Deutschland "gefallenen Kameraden ein ehrendes Andenken zu bewahren". Damals, als die russischen Truppen verabschiedet wurden, war der Platz unter dem Soldaten zum letzten Mal so richtig voll. Jetzt wirkt die weite, monumentale Anlage oft wie ein vergessener Ort.

Erhard Reddig kommt immer, einmal pro Woche mindestens. Weil er Antifaschist ist, wie er sagt. Und als Vorsitzender des Freundeskreises sowjetischer Ehrenmale sorgt er sich über den Zustand der Gedenkstätten in der ganzen Stadt. "Das Wasser ist unser größter Feind"

Reddig zeigt auf die roten Granitplatten, wo der Kalk Spuren hinterlassen hat. Überall sickert der Regen durch. Das Grundwasser stehe in den Kellergewölben, dort sehe es aus wie in einer Tropfsteinhöhle. Und im Winter treibt der Frost die Platten nach außen.

Mauern verschieben sich. Treppen sinken ab. "In der DDR hat man oft den Rost angestrichen", sagt Heinz Wiegand, Referatsleiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz. Nun gebe es erhebliche bautechnische Mängel, die sich auch auf die Sicherheit der Gedenkstätten auswirkten.