Der Harburger tut, als sei alles ganz normal, Volker Rühe, der Unerschütterliche. Rot-Grün droht, der Kanzler sinniert über ein künftiges Bündnis mit der Ökopartei, die eigene Partei spekuliert öffentlich über die Kohlnachfolge. Da braucht einer gute Nerven, um stillzuhalten. Rühe hat sie wohl. Er spult sein Programm ab: Wahlkampfauftritte - mehr als 130 Veranstaltungen, denn er ist, siehe da, sehr gefragt in der Union -

Konsultationen über die Kosovo-Krise

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ein bißchen Alltag im Ministerium, etwas Sport zwischendurch und, wenn Zeit bleibt, ein Pressetermin - business as usual in hektischer Zeit.

Kohl oder Schäuble, Schröder und Fischer, das sind die Namen in den Schlagzeilen. Vom Verteidigungsminister, auch wenn er zum Kern der Mannschaft um den Bundeskanzler gehört, ist weniger die Rede. Aber das bedeutet nichts.

Es hat sich auch so herumgesprochen, wieviel Rühe heutzutage politisch wiegt.

Er selbst verbreitet ein ruhigeres Selbstbewußtsein als noch vor wenigen Jahren. Rühe, als norddeutscher Protestant kein Mann des typischen CDU-Milieus, hat sich nach mehrmaligem Auf und Ab in der Gunst des Kanzlers von diesem innerlich abgekoppelt. In der CDU ist er, der Verteidigungsminister mit der längsten Dienstzeit an der Spitze der Bundeswehr, als die Nummer 3 der Führung etabliert, vielleicht auch als 2 b.