Die Duty-free-Branche und ihr nahestehende Politiker haben einen aufopferungsvollen Kampf verloren: Am 1. Juli 1999 endet innerhalb der EU der steuerfreie Warenverkauf. Eine weitere Übergangszeit sei äußerst unwahrscheinlich, verlautet aus dem Bonner Finanzministerium. Mit empörten Lobbyisten trauern Millionen Kunden, die dem Fiskus auf Butterschiffen, Flughäfen oder über den Wolken bald kein Schnippchen mehr schlagen können.

Bei nüchterner Betrachtung, die im Fall des Duty-free-Shoppings nicht gerade leichtfällt, haben von der hartherzigen EU-Gesetzgebung allerdings weniger die Käufer als die Verkäufer den Schaden. Denn mit der Zauberformel "Duty-free" werden auf Flughäfen und Schiffen traditionell zahlreiche Produkte abgesetzt, die weder Schnäppchen noch steuerbefreit sind.

So gehört es zu den einmaligen Leistungen des Duty-free-Handels, der reisenden Kundschaft weiszumachen, daß man dem Finanzamt etwa beim Kauf teurer Parfüms etwas vorenthalten könne. Tatsächlich gibt es überhaupt keine Verbrauchsteuer für Kosmetika, und auf deutschen Flughäfen spart der nach billigen Mitbringseln jagende Urlauber oder Geschäftsreisende nicht einmal die Mehrwertsteuer.

Die glitzernden Läden profitieren schlicht davon, daß die Geldbörse unterwegs besonders lockersitzt, und von der Unkenntnis der Verbraucher. Denn Duty-free-Kunden sind nach Einschätzung des Sprechers des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Thomas Werz, "Leute, die normalerweise nicht einkaufen". Regelrecht über den Tisch gezogen werden sie häufig bei Wein und Schokolade: Das Verbrauchermagazin Plus ermittelte, daß 300 Gramm Toblerone in normalen Supermärkten rund 5,68 Mark, auf 7 getesteten Fähren und Butterschiffen aber zwischen 8,45 und 12,14 Mark kosten.

Nennenswerte Vorteile haben in erster Linie Raucher und Konsumenten von Spirituosen. Denn der deutsche Fiskus kassiert für 200 Zigaretten rund 35 Mark und für einen Liter Schnaps rund 13 Mark Steuern. Allerdings geben die Dutyfree-Shops von der Ersparnis oft nur einen Bruchteil an den Verbraucher weiter. Müßten deutsche Duty-free-Händler mit ähnlich knappen Margen wie der Supermarkt um die Ecke kalkulieren, dürfte die Stange Marlboro auf einer Ostseefähre keine 20 Mark kosten. Tatsächlich aber verlangt die Reederei Stena laut Plus 43,90 Mark und die TT-Line immerhin noch 36 Mark.

Derart traumhafte Handelsspannen schufen nicht nur die Existenzgrundlage für viele Butterschiffe. Die dank der Steuerbefreiung erzielten Milliardenumsätze auf Flughäfen und in der Luft trugen zu niedrigen Ticketpreisen bei und benachteiligten erdgebundene Verkehrsmittel wie Bahn und Bus. Mit dem Wegfall der Privilegien vom Sommer 1999 wird es etwas mehr Kostengerechtigkeit geben, auch für die inländische Tourismusbranche. Denn Urlauber, die sich für die Balearen und gegen Borkum entscheiden, werden künftig vom Fiskus nicht mehr belohnt. Dennoch wird der Mythos "Dutyfree" weiterleben für alle, die weiter reisen. Wer die EU verläßt, kann seine teure Schokolade weiterhin im "steuerfreien" Flughafenshop kaufen.