Die alte Dame steht auf dem Dach des Frankfurter Büro-Centers, 141 Meter über der Erde, und ist ganz gerührt: "Daß man die Stadt mal von oben sieht!"

In der Hand hält sie einen Plan der Innenstadt, auf dem alle Hochhäuser eingezeichnet sind. Gerade hat sie T 11 entdeckt, 71 Meter hoch. "Was, so klein? Der ist ja ganz unwichtig." Neben ihr hat Uwe Engert Hochgefühle.

"Endlich mal on top sein", sagt der 50jährige Magistratsdirektor. "Ich bin Frankfurter und war noch nie auf den Hochhäusern."

Am vergangenen Wochenende durften die Frankfurter fünfzehn ihrer Hochhäuser betreten, sonst verbotene Zonen mitten in der Stadt. Um ein Ticket für das Wolkenkratzer-Festival zu ergattern, mußten sie drei Wochen zuvor früh aufstehen. Ab montags, sechs Uhr früh, wählten sie die angegebene Sondernummer. Viele kamen stundenlang nicht durch, obwohl 60 Telefonistinnen in zwei Call-Centern Sonderschichten eingelegt hatten. Nach anderthalb Tagen waren die 70 000 Tickets vergeben, jedes gültig nur für den Besuch eines bestimmten Gebäudes.

Der betuliche Feuerwehraufzug kurbelt die Gäste hinauf zum Dach des Frankfurter Büro-Centers. Von dem schmucklosen Zweckbau in die Tiefe gucken und wieder runterfahren, das ist die kurze Lust. Nur die Reporter dürfen ins Innere und finden auch am Samstag einen Rest von Hochhausleben: Rechtsanwalt Kersten von Schenck sitzt in seinem Büro. Die Sozietät, zu der er gehört, zählt zu den größten in Deutschland. Sie residiert in den Etagen 25 bis 33.

Von Schenck arbeitet an Werktagen dreizehn Stunden und am Wochenende zehn.

Abends um neun geht die Klimaanlage aus. Schenck: "Dann wird es hier stickig."