Als "Film zum Wahlkampf" erklärte Kohls Chefwerber Coordt von Mannstein das amerikanische Kino-Epos Primary Colors. Die Parallelen zwischen dem charakterschwachen Wahlkämpfer Bill Clinton (John Travolta) und Gerhard Schröder (Gerhard Schröder) seien offenkundig. Mannstein sieht seinen Kandidaten auf dem Vormarsch. Kohls Ausgangslage sei zwar ungünstig, weil die "Zapping-Gesellschaft" glaube, in Schröder, den man wie einen Fernseher anwählen könne, den zeitgemäßeren Kandidaten finde. Doch habe die CDU-Kampagne den Bürger so erfolgreich "repolitisiert", daß er sich durch Flimmereien nicht mehr blenden lasse.

Mannstein, nicht nur Verkäufer, sondern bekennender Bewunderer des Kanzlers, beschreibt Helmut Kohl als "Leuchtturm" in den tosenden Gewässern der Beliebigkeit. Im Duell der Personen spiegele sich ein Kampf der Werte: "Das Authentische" stehe gegen "das Aufgesetzte" - und werde am Ende gewinnen.

Hier endet die Parallele zu Primary Colors.

Unerwähnt ließ Mannstein einen anderen Film. Lola rennt besticht weniger durch vordergründige Ähnlichkeiten als durch allegorische Kraft: Lola bleiben zwanzig Minuten, um 100 000 Mark aufzutreiben. Helmut bleiben zweieinhalb Wochen, um 900 000 Stimmen aufzutreiben.

Lola hat drei Versuche, das Unmögliche möglich zu machen, und jedesmal endet ihre Geschichte anders: einmal stirbt sie (ohne Geld), einmal stirbt ihr Freund (mit Geld), einmal überleben beide (ebenfalls mit Geld). Über das Ende entscheidet jeweils der Zufall, ein Stolpern auf der Treppe, ein paar Sekunden Gewinn oder Verlust.

Die Parteistrategen argumentieren mit Zahlen und Daten, mit "last-minute-swings" und dem "bandwagon-Effekt". Und dann kommt Inge Meysel und ruft öffentlich dazu auf, Gregor Gysi zu wählen. Vielleicht hat es niemand bemerkt. Vielleicht sagen sich aber auch ein paar tausend Rentnerinnen: Wenn die Inge Meysel das sagt ... und schon hüpft die PDS über die Fünfprozenthürde und verhindert womöglich eine rotgrüne Mehrheit.

Oder Oswald Metzger. Wer hätte geahnt, daß der grüne Haushaltsexperte kurz vor dem Wahlkampf das CDU-Rentenkonzept loben würde? Kostet das Stimmen, trägt es welche ein? Und was passiert morgen? Vielleicht bringt die Union Berti Vogts für das Amt des Bundespräsidenten ins Gespräch. Oder Monica Lewinsky belastet Gerhard Schröder in Bild. Oder ein Kernkraftwerk verdampft, während das Land in Hochwasser versinkt und Armageddon auf dem Potsdamer Platz einschlägt.